Parforce durch die Puszta

Von Christoph Pfister | Fischen Für ihn scheint es ein gemütlicher Sonntagsspaziergang auf der Trompete durch den Garten der Musik. Für den Hörer eine rasante Parforce durch die Puszta, Gala im Goldglanz zugleich, als Gábor Boldoczki mit himmlisch schöner 'Teufelszunge' die Triller endlos jubeln lässt, die Kantilenen verführerisch zum Schmelzen bringt.

Ein Stück Anti-Star

Was Kollegen zur Verzweiflung bringt, zu Playback verführt, der junge ungarische Ausnahmemusiker spielt es mit Bravour. Schwindelerregende Höhen sind das, feinstgliedrige Ketten im Endlosformat, ein Ansatz traumhaft schön und beneidenswert sicher. Dabei geht es bei ihm - wie sein Auftritt vor den 'Freunden der Musik' im Fischinger Kurhaus Fiskina zeigt - ohne sichtbare Anstrengung, bar jeder gezeigten Mühe und vor allem ohne eine Spur von Show. Freundlich-verinnerlicht gibt er sich, ein ehrlicher Musikant, ein Diener der Kunst. Einer der Größten seines Faches und ein Stück Anti-Star. Ein fürwahr seltenes Glück.

Boldoczki wirbelt nicht nur paprika-pikant wie in der Fantasie seines Landsmannes Frigyes Hidas, sondern beherrscht geschmackvollen Zierrat im impressionistischen, weich gezeichneten, dabei nie Kontur und Spielwitz verlierenden Rahmen des Franzosen Gabriel Parès, meistert Toru Takemitsus fernöstliche Referenz an den großen polnischen Komponisten Witold Lutoslawski.

Diesen Pfad ('Path') hat er ohne Begleitung zu beschreiten, im fliegenden Wechsel mit der gedämpften Trompete Jonglagen mit der Dynamik zu absolvieren, filigranste Naturtöne zu reihen, Klangbilder im Schleier zu ziehen, auf einem Instrument, das für Signaltöne und Effekte steht. Der gefeierte Virtuose meistert den inneren Kraftakt mit einer zauberhaften Inszenierung aus Reinheit von Tönen, asiatischer Kontemplation, disziplinierter Emotion.

Die Wirren der Emigration

Diese ganz besondere Stärke für einen Trompeter, die schier wider der Erwartung an das Genre scheint, kann Gábor Boldoczki den Freunden der Musik auf einer ganz anderen Ebene nochmals beweisen, wenn Paul Hindemith 'mäßig bewegt' in einer 'Trauermusik' fordert. Die Wirren der Emigration zeichnen die Trompetensonate und der junge Solist geht gewagt, doch geglückt mit seiner perfekt geeinten Partnerin am Klavier in schon maximale Distanz.

Krisztina Fejes, gerade zur 'Béla-Bartók-Preisträgerin' gekürt, empfiehlt sich für ein Recital, nicht nur weil sie in wenigen Tagen als Vertretung die Klavierbegleitung einstudiert hat. In einer glutvollen und nicht minder einfühlsamen Interpretation von Debussys 'Pour le Piano' hatte sie den Flügel in der Fiskina fürwahr bis an seine Grenzen ausgereizt und pointiert und farbenfroh, dabei gelöst von Überschwang Bartók genießen lassen.

Zwei Sternstunden!

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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