KFZ-Versicherungen
«Ostallgäuer sind keine schlechteren Autofahrer»

Als schlechteste Autofahrer der Republik mussten sich Ostallgäuer und Kaufbeurer heuer wieder beschimpfen lassen, als der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) seine Regionalklassen-Statistik vorlegte.

Danach haben die Kaufbeurer erneut die teuersten Haftpflichtversicherungen bundesweit, die Ostallgäuer die teuersten Vollkasko- und die drittteuersten Teilkaskotarife. 37 Prozent mehr als der Bundesdurchschnitt müssen Autofahrer mit Kennzeichen OAL für ihre Vollkasko-, 84 Prozent mehr für ihre Teilkaskoversicherung berappen.

Günstiges Oldenburg

583 Euro für Vollkasko und Haftpflicht zahlt ein 35-jähriger Ostallgäuer beispielsweise pro Jahr, wenn er einen 90 PS-starken VW Golf 5 (1,4 Liter, Baujahr 2008) unfallfrei fährt. Das sei ein günstiger Tarif, sagt Petra Grosam vom Marktoberdorfer Versicherungsbüro Proma.

Wäre derselbe Autofahrer mit dem niedersächsischen Kennzeichen «OL» unterwegs, würde er 154 Euro weniger - also nur 429 Euro zahlen. Oldenburg ist laut GDV für Vollkaskoversicherungen die günstigste Region in Deutschland.

Das gewählte Rechenbeispiel ist noch ein vergleichsweise harmloses: Die Mehrbelastung für die bundesweit am schlechtesten eingestuften «OAL»er kann - je nach Wertung der Fahrzeuge und des Fahrers - mehrere hundert Euro ausmachen. Die unterschiedliche Einstufung sei «schwer nachzuvollziehen», findet Füssens Polizeichef Günther Stadler, der die Ostallgäuer keinesfalls für schlechtere Autofahrer hält.

Berechnungsgrundlagen für die Einstufung sind Höhe und Häufigkeit von Schäden, die von den Autofahrern mit dem Kennzeichen OAL deutschlandweit verursacht und von den Versicherungen reguliert wurden. Doch diese Fixierung aufs Kennzeichen hält Stadler für verkehrt. «Eigentlich müssten die Prämien individuell auf den Fahrer gemünzt sein.» Denn dessen Fahrvermögen sei entscheidend, nicht der Meldeort des Fahrzeugs.

Als Beispiel nennt der Polizeichef Beschäftigte aus anderen Regionen, die zwar im Füssener Land lebten, aber (nicht zuletzt wegen der niedrigeren Prämien) ihr angestammtes Kennzeichen behielten. Auch die vielen Urlauber und der hohe Durchgangsverkehr, etwa auf A7 oder B12, schieden als Grund für die hohe OAL-Prämie aus. Denn dieses Mehr an Unfällen werde ja nicht dem Ostallgäu zugeordnet.

Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse hat jetzt die Nase voll, was die schlechte Bewertung seiner Stadt angeht. Vor Kurzem hat er in einem Brief an den GDV in Berlin die Einstufung angezweifelt. Daraufhin lieferte der Verband konkrete Zahlen nach Kaufbeuren, die angeblich belegen, dass Autofahrer aus «KF» für die Versicherungen tatsächlich teurer sind als andere Fahrzeughalter (siehe Infokasten).

Damit gibt sich Bosse aber nicht zufrieden. Eine konkrete Begründung fehle weiter, kritisiert er. Der GDV rechtfertigt seine Einstufung damit, dass in Kaufbeuren die Schadensbilanz am höchsten ausfalle. Bosse zufolge liegt aber die Zahl der von der Polizei erfassten Unfälle dort deutlich niedriger als in vergleichbaren Städten.

Er fordert deshalb, «eine Detailuntersuchung» vorzunehmen. Seiner Einschätzung nach müssten dafür sowohl die erfassten Schäden als auch der Kreis der Verursacher analysiert werden.

Zur Not will er Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner einschalten. Unterstützung zugesagt bekam Bosse von Landrat Johann Fleschhut. Er kann nicht verstehen, dass die Ostallgäuer bei den Autoversicherungen so viel zahlen. (hkw, rm, mab, raf)

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