Orgel und Trompete in munterem Zwiegespräch

Von Joachim Buch | Unterthingau 'Denken Sie an die Preise, die Sie vielleicht in der Big Box oder in der Allianz-Arena bezahlen. Dann kann ihr Geldschein ruhig auch blau, braun oder vielleicht sogar grün sein.' Der Unterthingauer Pfarrer Günther Weber gab seiner Freude über die Qualität des gerade zu Ende gegangenen Konzerts in seiner Pfarrkirche auf sehr launige Weise Ausdruck und sah natürlich auch die Möglichkeit, zu Spenden für die noch nicht ganz bezahlte neue Monarke-Orgel aufzurufen. Dieses von einer niederländischen Firma gebaute und vom Musikhaus Förg aus Aichstetten gelieferte Instrument sieht äußerlich ganz wie eine konventionelle Orgel aus, jedoch erfolgt die Tonerzeugung auf digitalem Weg. Puristen mögen sich die Haare raufen, aber man muss schon ein extremes Gehör haben, um kleinste Unterschiede im Ton festzustellen. Noch schwerer wiegt das finanzielle Argument, denn eine gleich große konventionelle Orgel kostet etwa das Zehnfache.

Interpreten des Abends waren der Lindauer Trompeter Hermann Ulmschneider und der ehemalige Rottenburger Kirchenmusikdirektor Josef Fleschhut, die ein vorwiegend barockes Programm boten, ergänzt um ein Werk des vor allem durch seine Opern bekannten Vincenzo Bellini (1801-1835) und einige eigene Improvisationen. Ulmschneider zeigte sich als Spezialist auf der Piccolo-Trompete und führte schon im einleitenden Konzert D-Dur von Georg Philipp Telemann (1681-1767) sein Instrument in ungeahnte Höhen.

Die Tempi nahmen die Interpreten sowohl bei Telemann als auch im Concerto d-Moll von Benedetto Marcello einen Hauch schneller als gewohnt. Im abschließenden Presto dominierten dort eher die nasalen Orgelregister.

Grundlage der ersten Improvisation Fleschhuts war eine gemütliche Ländler-Melodie, die nach und nach in verschiedenen Klangfarben präsentiert wurde, darunter auch einige interessante Vokal-Imitationen. An Vokalmusik erinnert fühlte man sich auch beim bereits erwähnten Concerto von Bellini, das wie eine Arie mit langsamer Einleitung wirkte. Thematisch fand bis zum Schluss ein munteres Zwiegespräch zwischen Orgel und Trompete statt. Ulmschneider ging beim Schlusston in die obere Oktav, wie ein übermütiger Opernsänger.

Weite des Raumes genutzt

In 'Dialog', einer freien Meditation zwischen Orgel und Trompete, nutzten die Musiker die Weite des Kirchenraumes aus, denn Ulmschneider spielte zumeist am Altar. Fleschhut ließ in einer Improvisation über den Choral 'Nun danket alle Gott' die Thementeile erst nach und nach aufscheinen. Irgendwann hörte man auch schon fast ganze Liedzeilen und manchmal war der Organist kurz davor, den Gestus des Händelschen 'Hallelujah' zu übernehmen.

Seine 'Teufelstrillersonate' hat Giuseppe Tartini (1692-1770) bis in die Gegenwart hinein zu musikalischem Ruhm verholfen. Auch in seinem Konzert D-Dur hat er für den Trompeter einige teuflisch schwere Triller - damals gab es noch keine Ventile - vorgesehen. Ulmschneider hatte damit keine Probleme und ließ das Stück mit triumphalem Grundton enden. Überaus begeisterter Applaus in der sehr gut besuchten Kirche.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by Gogol Publishing 2002-2019