Mewo-Kunsthalle
Oper ohne Festspielhaus in Memmingen

Eine Oper braucht kein Festspielhaus! Das zeigte sich einmal mehr in der Mewo-Kunsthalle mit der reduzierten Variante des 'Rosenkavaliers' von Richard Strauß und dem Text von Hugo von Hoffmannsthal.

Die Handlung ist denkbar einfach: Je zwei Paare, die sichtlich nicht füreinander bestimmt sind, werden getrennt - zum einen die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg von ihrem zu jugendlichen Liebhaber Octavian, zum anderen der derbe und ungehobelte Baron Ochs von dem ihm versprochenen, feinfühligen Bürgersmädchen Sophie. Doch am Ende wird zusammengeführt, was zusammengehört und eine junge Liebe erblüht.

Nach der Erstaufführung seiner vorhergehenden Oper "Elektra" soll Richard Strauß gesagt haben, "meine nächste Oper wird eine Mozartoper". Es folgte "Der Rosenkavalier", eine Lustspieloper in drei Akten mit mancher Rührseligkeit, mit Witz und Wiener Klasse vor entsprechender Kulisse.

Doch wer braucht schon aufwendige Bühnenbilder und Statisten? Initiator des "Opernabends" Joseph Kiermeier-Debre nicht! Farbige Lichter scheinen auf eine kleine Bühne im schmalen, langgezogenen Veranstaltungsraum der Mewo-Kunsthalle. Sie zeigen neue Stimmungen und neue Orte der Handlung. Eine ungewohnte Nähe erleben die dicht an dicht sitzenden Zuschauer so zur verständlicherweise stark reduzierten Besetzung der Oper.

Die reagiert auf diese besondere Situation mit schauspielerischer Behutsamkeit und angebrachter stimmlicher Rückhaltung. Eventuell entstehende inhaltliche Lücken füllt Kiermeier-Debre in der Rolle des Erzählers von seinem kleinen Pult hinter dem Publikum in freundschaftlicher Unverbindlichkeit. Wenn schon im Bühnenbild keine Verzierungen, dann dafür in den Einwürfen des noch amtierenden Leiters des Memminger Kunsthauses.

Anspruchsvolle Rollen, klare Stimmen

Die Rolle der Marschallin steht Béla Müller ganz hervorragend. Erfahren und sicher dominiert sie den ersten Akt der Oper. Die anspruchsvolle Hosenrolle des Oktavian, die Strauß für eine weibliche Stimme vorgesehen hat, übernimmt die Sopranistin Veronika Farkas. Nicht nur darstellerisch, auch stimmlich verlangt ihr ein ständiges Changieren zwischen Jüngling, Mann und Kammerjungfer viel ab.

Yvonne Steiner definiert die Figur der Sophie mit ihrer klaren und freundlichen Stimme als ein graziles und zerbrechliches Wesen, deren Herz die derben Begegnungen des Barons beschweren. Dieser, gespielt von Klaus Basten von der Münchner Staatsoper, läuft gesanglich nur schwer an. Er findet sich aber im zweiten Akt nach dem auf ihn verübten Anschlag in einer langen solistischen Passage und spielt dabei effektvoll seinen sonoren Bass aus.

Die zahlreichen Nebenrollen der Originalfassung fallen bis auf Markus Herzog als Tenor und die Jungfer Marianne, umgesetzt von Nadja Gunda, komplett aus der Inszenierung. Instrumental hält der Münchner Pianist Stellario Fagone das Ensemble zusammen und fügt sich am Flügel in die Szenerien vermittelnd ein.

Termin Noch einmal zu sehen ist "Der Rosenkavalier" am Samstag, 1. Oktober, um 19.30 Uhr in der Mewo-Kunsthalle. Karten unter Telefon (08331) 850-771.

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