Bregenzer Festspiele
Oper als pädagogisches Projekt - Angst vor Musiktheater nehmen

«Das Publikum hat immer noch Angst.» David Pountney, der Bregenzer Festspiel-Indendant weiß, dass er den Zuschauern mit der diesjährigen Oper im Festspielhaus einen dicken Brocken aufgibt. Ist das Werk doch gerade erst entstanden, also zeitgenössisch. Und zeitgenössisch heißt - selbst für viele eingefleischte Klassikfreunde - noch immer: schräg, sperrig, unhörbar.

Das aber genau soll die Oper << Achterbahn >> von Judith Weir, die am 21. Juli uraufgeführt wird, nicht sein. Deshalb habe er ja gerade die 57-jährige Engländerin ausgewählt. Sie erzähle sehr gestisch. << Wir wollen damit das ganz normale Publikum erreichen, nicht nur die Spezialisten für neue Musik >>, erklärt Pountney und ergänzt: << Der strenge Modernismus ist altmodisch. >>

Die Proben im Festspielhaus, die in diesen Tagen auf Hochtouren laufen, bestätigen den Intendanten. Die Melodien, welche die sieben Solisten singen, klingen beim ersten Hören recht eingängig. Die Harmonien sind bisweilen sperrig, dann wieder angenehm. Komponistin Weir steht inmitten des Leading Teams vor der Bühne. Immer wieder diskutiert sie mit Regisseur Chen Shi-Zheng, einem aus China stammenden US-Amerikaner.

Gemeinsam spinnen sie Ideen, wie das achterbahnartige Auf und Ab einer jungen Frau zu inszenieren ist. Die Geschichte basiert auf einem sizilianischen Märchen. Tina, genannt Miss Fortune (dargestellt von Emma Bell), stürzt vom Glück ins Unglück, lässt sich davon aber nicht beirren, beweist Durchhaltevermögen und wird am Ende dafür belohnt.

Dass die Komponistin bei den Proben mitmischt, ist für Dirigent Paul Daniel eine gute Sache. << Da weiß man, wie das Feuer brennen soll >>, sagt er. Daniel, ebenfalls ein Brite, schätzt es, eine zeitgenössische Oper einzustudieren. << Das ist besser, als immer wieder Musik aus früheren Zeiten zu interpretieren. >>

Damit trifft er die Intentionen von Intendant Pountney. << Musik soll etwas über uns aussagen. >> Man solle deshalb moderne Musik doch genauso akzeptieren, wie man neue Bücher, moderne Architektur oder zeitgenössisches Theater akzeptiere. Bei den Bregenzer Festspielen kann man das auch in den beiden kommenden Sommern tun: Pountney hat sowohl für 2012 als auch für 2013 Opernwerke in Auftrag gegeben, die im Festspielhaus uraufgeführt werden. (kpm)

Ein Bad in luftiger Höhe: Noch wird intensiv geprobt auf der Bregenzer Seebühne. Am kommenden Mittwochabend feiert die Revolutionsoper << André Chénier >> Premiere - dann in Kostümen und bei nächtlichem Licht. Foto: Klaus-Peter Mayr

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