Oberstdorf
Ohrwürmer zum Picknick

Historische Unterhaltungsmusik zur Eröffnung: Den Auftakt zum Oberstdorfer Musiksommer übernimmt heuer das «LOrfeo-Bläserensemble» mit «Harmoniemusik» aus dem 18. Jahrhundert. Das Konzert ist betitelt mit «Paris - London: Auf den Spuren von Joseph Haydn». Die Leitung hat Carin van Heerden (46), Gründungsmitglied des «LOrfeo- Barockorchesters», aus dem das Bläserensemble hervorgegangen ist. Van Heerden, die seit 1993 Barockoboe an der Anton-Bruckner-Privatuniversität in Linz unterrichtet, erläutert in einem Gespräch mit Veronika Krull, was es mit der Harmoniemusik auf sich hat und dass ein «Serpent» zur «Zink»-Familie gehört.

Sie werden zur Eröffnung des Oberstdorfer Musiksommers sogenannte Harmoniemusik spielen. Die Musik war damals als Tafelbegleitung oder auch zum Picknick im Freien beliebt. Können Sie das Phänomen ein wenig erläutern?

Carin van Heerden: Ja, die Harmoniemusik diente hauptsächlich zur Unterhaltung. Das waren oft Bearbeitungen von bekannten Opernarien - den «greatest Hits» - für eine breitere Öffentlichkeit. Das war Musik, die man draußen spielen konnte, weil sie mit einer Besetzung von normalerweise acht Bläsern leichter transportabel war als ein großes Orchester.

Was macht für Sie und Ihr Ensemble die Harmoniemusik so spannend?

van Heerden: Das Ensemble ist ja aus dem «LOrfeo-Barockorchester» hervorgegangen. Da spielen wir viel klassische Literatur. Schließlich hatten wir Lust, nur mal etwas mit den Bläsern zu machen. Abgesehen von den Opernbearbeitungen gibt es ja auch Stücke, die eigens für die Harmoniemusik komponiert worden sind. Der Klang der historischen Blasinstrumente ist darüber hinaus so reizvoll, wie es ein Publikum nicht so oft hört.

Die «Militär-Sinfonie», aus der Sie heute Abend unter anderem spielen werden, hat Haydn eigens für die Harmoniemusik bearbeitet. Wie weit wird durch das Neuarrangement der ursprüngliche Charakter des Stückes verändert?

van Heerden: Das ist eine interessante Frage. Es ist so, als würden wir die Musik durch eine neue Brille sehen. Die Details werden spannend, die Farben sind anders ohne die Fülle des Orchesterklangs: Man hört feiner. Das Publikum wird das Stück kennen und jetzt sozusagen einen homöopathischen Eindruck erhalten.

Auf dem Programm stehen neben Werken von Haydn auch Stücke des jüngsten Bach-Sohnes Johann Christian, der lange Zeit in London lebte, und des französischen Komponisten Matthieu-Frédéric Blasius. Die Harmoniemusik war also in ganz Europa gefragt? Wo gibt es Gemeinsamkeiten, wo liegen die Unterschiede?

van Heerden: Ich denke, Harmoniemusik war besonders in Zentraleuropa verbreitet, vor allem ausgehend von Tschechien. Die Bläserspieler in Böhmen besaßen ja ein hohes Niveau. Das hat Haydn als Habsburger sehr geprägt. Er hat ganze Feldpartien komponiert und diese Arbeit in London fortgesetzt. In Frankreich gab es eine andere Tradition: Seit der Zeit von Rameau, also etwa 30 Jahre früher, wurde unglaublich viel experimentiert mit Bläserfarben im Orchester. Und die Ergebnisse sind sehr interessant in ihrer Farbigkeit.

Sie spielen auf teilweise recht ungewöhnlichen Instrumenten. Was ist ein Serpent? Und welche «Militärinstrumente» kommen zum Einsatz?

van Heerden: Militärinstrumente sind die Schlaginstrumente: türkische Trommeln, Schellen - was in Habsburg zu jener Zeit modisch war. Ein Serpent ist ein Instrument, das vor allem in England sehr bekannt wurde. Es gehört zur Zinkfamilie - der Zink als historisches Instrument ist ja ein Vorläufer der Trompete. Der Serpent sieht aus wie eine Schlange, der Klang ist anzusiedeln zwischen einem tiefen Horn und einer Tuba.

Konzert: Das «LOrfeo Bläserensemble» eröffnet den Oberstdorfer Musiksommer am Freitag, 31. Juli, um 20 Uhr in der Katholischen Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Oberstdorf. Karten gibts im Festivalbüro oder bei Tourismus Oberstdorf, Telefon 08322/700-290, sowie bei «Allgäu Ticket», Telefon 01805/132132.

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