Meisterkonzert
Ohne Effekthascherei

Zum Auftakt der Meisterkonzert-Saison wurde das Publikum mit einem Konzert verwöhnt, das nicht allzu populäre Werke von Frédéric Chopin und Antonin Dvoàk auf die Bühne des Stadttheaters brachte. Schon allein das Spiel der polnischen Pianistin Ewa Kupiec lohnte den Besuch. Ihre Interpretation der Klavierkonzerte ihres Landsmanns Chopin (der allerdings mit französischem Vater nach amtlichem Eintrag, und als Wahl-Pariser ein Franzose war) enthüllte hinter dem landauf, landab beliebten Romantiker den Klassiker Chopin.

Es ist der Verzicht auf die große Geste, auf den romantischen Überschwang, auf alle effekthascherische «Verzögerungs-Taktik», wodurch Ewa Kupiecs stupende Virtuosität kristallklaren, klassischen Glanz ausstrahlt. Hätte ein Orchester - wie gewöhnlich bei einem Klavierkonzert - die Solistin begleitet, wäre dieser Glanz womöglich getrübt oder wenigstens verdunkelt worden.

Aber die Entscheidung des Programmmachers Dr. Franz Tröger für ein Streichquartett als Begleitung erwies sich als Glücksgriff. Schon Chopin selbst schrieb ja 1833 auf das Titelblatt der Erstausgabe des e-Moll-Konzerts ausdrücklich die wahlweise Begleitung durch ein Streichquintett (wohl mit Kontrabass-verdoppelter Cellostimme) für seine Tasten-Lokomotive auf samtbeschlagenen Rädern. Ihm war offenbar ein ganzes Orchester einfach zu laut.

Den langsamen Larghetto-Satz dieses Konzerts (in hellem E-Dur!) charakterisiert Chopin im Brief an seinen Freund Titus sogar so: «Es ist wie eine süße Träumerei in einer schönen, mondbeglänzten Frühlingsnacht. Deshalb wird es mit sordinierten Geigen begleitet; das sind Geigen, die durch eine Art Kämme gedämpft werden, die einen nasalen, silbernen Ton bewirken.»

Betörend süßer Geigenklang

Dass aber die Geigen hier dennoch betörend «süß» im Sinn Chopins klingen können, das zeigte die Luzernerin Sybilla Leuwenberger (erste Violine) mit dem «Plawner Quartett» (Agnieszka Luksza, zweite Violine, Georgios Balatsinos, Viola, Isabella Klim, Cello). Ohne Sordino kam dieses internationale Ensemble bei Dvoàks «Amerikanischem Streichquartett» in F-Dur aus.

Relativ nüchtern klangen da die heimat-sehnsüchtigen Melodien Dvoàks im amerikanischen «Exil» - vielleicht wegen der Ansteckung durch den klassischen Klavierstil Ewa Kupiecs? Nur die Bratschen-Themen (Dvoàks Leib-Instrument) gingen ans Herz.

Aber seine Rolle als harmonischer, farbgebender «Background» zu Chopins gewollter Klavierdominanz spielte das ad hoc zusammengestellte Quartett ausgezeichnet. Ein Meisterkonzert der Sonderklasse? Ein Kammerkonzert der Meisterklasse!

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