Ohne die Ehrenamtlichen geht nicht viel

Nesselwang | mar | Vor der Podiumsdiskussion hatte Landtagspräsident Alois Glück in seinem Referat in Nesselwang die Bedeutung ehrenamtlichen Einsatzes in Vereinen für die besondere Lebensqualität in Bayern betont. Dass immer mehr Vereine Probleme hätten, Vorsitzende zu finden, zeige, dass das Ehrenamt Unterstützung brauche. Dabei sei dieses keineswegs 'Notnagel' für staatliche Sparmaßnahmen. 'Was Bürger selbst organisieren ist lebendiger und menschlicher', so Glück. Nur mit engagierten Bürgern gebe es ein lebendiges Gemeinwesen. Das mache auch einen neuen Führungsstil in der Politik nötig. So sei es beispielsweise bei der Dorfentwicklung wichtig, dass Bürger mit Fachleuten und politisch Verantwortlichen zusammen sitzen.

Auf Nachfrage des Nesselwanger Pflegeheimleiters Alfons Klotz verteidigte Glück die in die Kritik geratenen Aufwendungen von 450 000 Euro pro Jahr für den ehemaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und sprach sich gegen einen gesetzlichen Mindestlohn aus. Stoiber spiele mit seinen Kontakten und Kenntnissen nach wie vor eine wichtige Rolle für Bayern. 'Ich bin sehr dafür, dass er für eine Legislatorperiode eine entsprechende Ausstattung hat.' Ein genereller gesetzlicher Mindestlohn fördere die Arbeitslosigkeit, so Glück. Sinnvoller wären seiner Ansicht nach etwa Kombilöhne oder brancheninterne Lösungen wie beim Entsendegesetz auf dem Bau.

Der Germaringer Bürgermeister Kaspar Rager beklagte den Bürokratismus, mit dem kleinere Vereine beispielsweise gegenüber dem Finanzamt zu tun hätten. Dazu empfahl Glück, vor Ort, beispielsweise auf Kreisebene, eine Anlaufstelle zur Beratung der Vereine zu schaffen.

Als Vorstandsmitglied eines Vereins sprach Kreisrat Fritz Brunhuber die Haftungsfrage an. Geschehe bei einer Vereinsveranstaltung ein Unfall, laufe der jeweilige Vorsitzende Gefahr, persönlich Schadensersatz leisten zu müssen. 'Wäre es nicht möglich, über den Freistaat eine Haftpflichtversicherung zu machen?', fragte Brunhuber. Dazu verwies Glück auf die 2007 in Bayern eingeführte Ehrenamtsversicherung. Diese umfasst allerdings keine Haftpflicht für Mitglieder von Vereinen und Verbänden. 'Bei der Haftpflicht muss noch nachgebessert werden', befand Landratskandidatin Angelika Schorer.

Der Nesselwanger Ruhestandspfarrer Hubert Weber regte an, ehrenamtliches Engagement im Schulzeugnis zu erwähnen, wie er es von früher in Baden-Württemberg kenne. Dazu sagte Glück, mittlerweile könnten Hinweise auf das Sozialverhalten auch in Bayerische Schulzeugnisse wieder aufgenommen werden.

In einem weiteren Referat hatte die Prinzessin des Bayerischen Roten Kreuzes, Christa Prinzessin von Thurn und Taxis, erläutert, dass der Rettungsdienst in Bayern ohne ehrenamtliche Helfer nicht aufrecht erhalten werden könnte. Den Hinweis von Kreisrat Brunhuber, er habe auch persönlich in der Familie schon von seiner Ausbildung als Sanitäter profitiert, nutzte die Prinzessin zum Appell, den Zivildienst nicht weiter einzuschränken.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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