Offen für Jung und Alt

Von Barbara Hell | Kempten Bei der Fasnacht in Franken am Vorabend war Marga Beckstein als 'Landesmutter' verkleidet: Sie trug ein weißblaues Dirndl mit den Bezirkswappen. Ein selbstironisches Lächeln zeigt sich auf dem Gesicht der 63-Jährigen, als sie am Samstag im Wilhelm-Löhe-Haus von ihrer Maskerade erzählt. Denn im wirklichen Leben will Marga Beckstein das Klischée von einer Landesmutter eben nicht bedienen.

Im schlichten Hosenanzug mit dezenter Perlenkette und lachsfarbener Bluse geht die 'First Lady wider Willen', wie sie öfter beschrieben wird, denn auch nicht mit einem Dauerlächeln und jovialem Überschwang auf die Menschen zu, die ihr in Kempten begegnen. Vielmehr gibt sich die Seminarrektorin für Grundschullehrer betont zurückhaltend, aber in der Sache ernsthaft interessiert. Kurz und präzise stellt sie ihre Fragen an Heimleiter Thomas Reuß im Seniorenheim und an die jungen Leute im Jugendhaus.

Sie lobt die architektonische Offenheit des Löhe-Hauses und das Angebot im Jugendhaus ohne jede Schmeichelei. Sie stellt sich Heimbewohnern mit Handschlag und einem klaren 'Grüß Gott, ich bin die Marga Beckstein' vor ohne eine Spur von Bemutterung. Im Fernsehen sei sie manchmal zu sehen, aber nicht oft, erzählt sie einer Seniorin. Und dann fällt er, der erklärende Satz: 'Ich bin die Frau des bayerischen Ministerpräsidenten'. Dabei will sich doch eines auf keinen Fall sein: Nur die Frau von

Kein typisches Frauenprogramm

Aber Marga Beckstein agiert viel zu souverän und bei aller emotionalen Reserviertheit viel zu selbstsicher, um auf die Rolle der Ehefrau reduziert zu werden. Ihre Berufstätigkeit sei ihr so wichtig, dass sie die Repräsentationsaufgaben einer 'Landesmutter' damit vereinbaren will - 'das geht', erklärt sie freundlich aber bestimmt. Und ihre eigenen Schwerpunkte setzt sie auch als 'Frau von '. Denn einem typischen 'Frauen-Besichtigungsprogramm' hat sie in Kempten widersprochen und sich den Besuch sozialer Einrichtungen gewünscht. Dabei sucht sie das Gespräch mit Menschen, geht auf Befindlichkeiten der Senioren ebenso ein wie auf Nöte der Pflegekräfte. Und im Jugendhaus halten sie laut wummernde Bässe nicht davon ab, mit jungen Leuten über Probleme in Schule oder Ausbildung zu diskutieren.

'Ganz a nette Frau' sei Marga Beckstein, findet der 25-jährige Breakdancer Sergej Weht, der sich in ihrer Bewunderung für seine 'Körperbeherrschung' sonnt. Fast hält er es jetzt für einen Fehler, dass ihm die Politik Becksteins 'leider kein Begriff ist.'

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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