Ottobeuren
«Ökumene ist kein Luxusgut»

«Ökumene ist kein Luxusgut, sondern fester Bestandteil des kirchlichen Lebens.» Dies betonte Kardinal Walter Kasper aus Rom bei einem Besuch im Kloster Ottobeuren. Vor Mitgliedern der Unità dei Christiani, die sich für die Einheit der Christen und Ökumene einsetzt, sprach Kasper über die Situation der christlichen Kirchen weltweit.

Der 77-jährige deutsche Kleriker ist Procurator der Initiative Unità dei Christiani, einer ökumenischen Bewegung von Laien unterschiedlichster Berufe. Unter anderem fördert sie ökumenische Projekte evangelischer sowie katholischer Antragsteller. Die Mittel erhält sie aus Mitglieds- und Sponsorenbeiträgen vom gleichnamigen Förderverein.

Alle Kontinente bereist

Bei seinem Besuch in Ottobeuren sprach Kasper, der seit Kurzem im Ruhestand ist, zum Beispiel über seine Erfahrungen als Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Das Amt hatte er von 2001 bis Ende Juni dieses Jahres inne. In diesen erfüllten Jahren habe er alle Kontinente besucht, die Weltkirche kennengelernt und gesehen, «wie Kirche in anderen Ländern lebt und wächst».

Vor allem in Afrika, Asien und Lateinamerika gebe es eine «jugendliche, frische Kirche» voller Dynamik.

Zur Situation der deutschen Kirche sagte der Kardinal, es gebe zu viel Verdruss. Er sprach die Missbrauchsskandale an und betonte, man müsse die Fälle aufklären und über Fehler nachdenken, «aber die Krise muss nicht das letzte Wort haben». Vielmehr gelte es, mit Hoffnung in die Zukunft zu schauen.

Was die Ökumene angeht, herrsche in Deutschland eine spezielle Situation: «Wir sind das Land der Reformation.» Daraus ergeben sich laut Kasper psychologische Probleme, die man etwa in Afrika nicht kenne. Die Zahlen katholischer und evangelischer Gläubiger liegen laut dem Kardinal zudem ungefähr gleich auf, was zu einer Konkurrenzsituation führe.

Kasper verwies aber auch auf eine lange Tradition des Miteinanders und warnte vor einer Einengung auf die Frage «Gemeinsames Abendmahl - ja oder nein?» Stattdessen solle man den Blick weiten und Ökumene in der Zusammenarbeit praktizieren - etwa in sozialen, wirtschaftlichen oder Umweltfragen. In einer globalisierten Welt, die viel Konfliktpotenzial zwischen den Kulturen berge, seien Christen weltweit gefordert, sich gemeinsam für Frieden und Verständigung einzusetzen. Für das, was in Deutschland bisher gewachsen sei, dürfe man dankbar sein. «Als Bub bin ich nie in eine evangelische Kirche gegangen. Ich dachte, das muss ich beichten. Heute feiere ich mit evangelischen Bischöfen und Pfarrern Gottesdienste.» Auf solche Fortschritte gelte es aufzubauen. Dies unterstrich der Kardinal später auch bei einem Pontifikalamt in der Basilika.

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