Allgäu
Oberstdorfer Musiksommer hat Profil geschärft

Trotz der viele Lebensbereiche überschattenden Wirtschaftskrise ist es dem Oberstdorfer Musiksommer gelungen, sich gleichbleibender Nachfrage zu erfreuen: Über 170 Studenten aus aller Welt reisten zu den Meisterkursen an und rund 7000 Besucher wurden insgesamt bei den Konzerten gezählt. Damit knüpft dieses 17. Klassikfestival im Allgäu an die Erfolgszahlen des Vorjahres an, obwohl weder die Spielstätten noch das Konzertangebot erweitert wurden.

Zwar gab es heuer einige neue Orte, an denen Kammermusik erklang, etwa das Literaturhaus Immenstadt oder das Kunsthaus Lipp auf dem Gailenberg bei Bad Hindelang, dafür entfielen aber beispielsweise die Abstecher nach Jungholz oder ins Tannheimer Tal. Insgesamt wirkte das Konzertangebot kompakter, das Programm profilierter.

Natürlich strahlten der 200. Todestag von Joseph Haydn und der 200. Geburtstag von Felix Mendelssohn Bartholdy, wie so häufig in diesem Jahr, auch auf die Musiksommer-Veranstaltungen aus, dem Klassikfestival gelang es jedoch bei der Würdigung dieser Komponisten auch unkonventionelle Pfade zu beschreiten: Etwa mit dem LOrfeo-Bläserensemble auf den Spuren von Haydns Feldpartien zu wandeln oder selten gespielte Werke von Mendelssohn auf ihre Qualität hin neu zu befragen.

Am Reizvollsten freilich erschienen jene Programme, die eigens für das Festival erarbeitet wurden, wie etwa der Liederabend samt Lesung zu Shakespeares «Mittsommernachtstraum» oder das Musikprogramm des Rastrelli-Celloquartetts rund um den Filmhelden James Bond. Solch unterhaltsame Schmankerln stehen auch einem Klassik-Festival gut zu Gesicht, wenn sie künstlerisches Niveau wahren und nicht zum Hauptbestandteil eines Angebots werden.

Pflege von Talenten

In eine neue Dimension anspruchsvoller Programmgestaltung drang das Festival heuer durch eine zusätzliche Nachwuchs-Förderung vor.

Indem es leistungsstarken Jugendorchestern ein Forum bot, war es möglich, auch groß besetzte Werke der Musikliteratur zu präsentieren: Bruckners Siebente und die Alpensinfonie von Richard Strauss etwa, beide eingebettet in stringente Konzertprogramme.

So hat das Klassikfestival 2009 sein Profil weiter geschärft und auch mit seinem bewährten Pfund weiter gewuchert: Der behutsamen Pflege selbstentdeckter Talente, die als Solisten oder zusammen mit Studenten oder Dozenten für musikalische Frische sorgen, wie heuer etwa die südkoreanische Geigerin Byol Kang.

Nur indem er sich solch junge herausragende Künstler weiterhin verpflichtet, wird es dem Oberstdorfer Musiksommer gelingen, sich seinen festen Platz in dem immer weiter wachsenden Feld der Festivals zu sichern und auch künftigen Krisen zu trotzen.

Standpunkt

von Klaus Schmidt

schmidtk@azv.de oder Fax 08323/802-180

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