Erfindung
Oberallgäuer produziert Trockenbauplatten teils mit Maschinen Marke Eigenbau

Lehm gehört zu den ältesten Baumaterialien. Schon seit Jahrtausenden verputzen Menschen damit Häuser. Heute gewinnt die Mischung aus Ton, Sand und Wasser als ökologischer Baustoff wieder an Bedeutung. Es gibt dabei jedoch ein Problem, das auch manche davon abhält, mit Lehm zu bauen: Herkömmlicher Lehmputz braucht laut Florian Schleich, Geschäftsführer der Kirsch GmbH mit Standorten in Nesselwang (Büro) und Wildpoldsried (Produktion), bis zu sechs Wochen zum Trocknen. Das verlängert die Bauzeit.

Um das zu ändern, hat der Zimmerer und Baubiologe Schleich vor sechs Jahren die Naturbo-Lehmputzplatten in Sandwichbauweise – sprich eine Holzweichfaserplatte zwischen zwei Lehmschichten – erfunden. Darauf hat das kleine Oberallgäuer Unternehmen (zwei Festangestellte, vier geringfügig Beschäftigte) Patente und vertreibt sie europaweit – als einziger Hersteller in Deutschland, sagt Schleich.

Mehrmals im Fernsehen

Am 4. Oktober hat das MDR-Fernsehen in seiner Sendung 'Einfach genial' über die Naturbo-Lehmputzplatten berichtet. 'Wir haben uns dort beworben', sagt Schleich. Und der Sender war interessiert an der Erfindung, mit der sich beim Bau etwa 90 Prozent Zeit einsparen lässt. Denn statt der bis zu sechs Wochen Trocknungszeit herkömmlichen Lehmputzes brauchen die Platten alles in allem nur 48 Stunden.

Die Sendung wird in manchen dritten Programmen wiederholt, unter anderem im RBB am 9. Oktober um 13.35 Uhr und im NDR am 10. Oktober um 13 Uhr, ferner in EinsPlus am heutigen 6. Oktober um 21 Uhr und am Freitag um 13.15 Uhr.

Geeignet sind die Lehmputzplatten für den Innenausbau. Es gibt sie als einfache Tockenbauplatten und mit integrierter Wandheizung. Beide können angeschraubt oder geklebt werden. Die Bauvariante mit Lehm kostet laut Schleich etwa doppelt so viel, wie die sonst meist übliche mit Gipskartonplatten. Lässt man sich die Lehmplatten zum Beispiel von einem Fachmann einbauen, liege der Preis bei etwa 60 Euro netto pro Quadratmeter. Zu den Lehmputzplatten liefert die Firma Kirsch geeigneten Oberputz und Wandfarben. 'Wir haben immer 2000 bis 3000 Quadratmeter auf Lager', sagt Schleich.

Denn nach Bedarf zu produzieren, habe Nachteile: Zum einen könnten die Kunden nicht sofort beliefert werden. Zum anderen wäre die Firma gezwungen, auch Kleinmengen zu produzieren.

Immer gleiche Eigenschaften

Den Lehm bekommt Schleich von einem Putzhersteller aus Baden-Württemberg. 'Das ist technischer Lehm. Das heißt: Er braucht immer die gleichen Eigenschaften', sagt er. 'Das kriegt man aus dem Boden nicht.' Deshalb mischt der Lehmlieferant die einzelnen Komponenten nach den Vorgaben der Firma Kirsch zusammen. In der Produktionshalle in Wildpoldsried wird der Lehm dann, kurz gesagt, beidseitig auf die Holzweichfaserplatten aufgebracht und getrocknet. Viele der dafür verwendeten Anlagen – von der Maschine bis zur Trockenkammer – sind Marke Eigenbau.

Manche Teile bezeichnet Schleich als 'Fred-Feuerstein-Lösung'. Gemeint sind damit allerdings nicht steinzeitliche Maschinen, sondern Arbeitsgeräte, die der 46-jährige Tüftler selbst entworfen hat. Sie sehen zwar provisorisch aus, haben sich aber bewährt. Beispiel: Auf einer Platte sind schlicht runde Holzstücke aufgeschraubt, um die die Metallleitungen für die Wandheizung passend gebogen werden.

www.naturbo.de

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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