Nur Silvester mussten sie nicht läuten

Theinselberg | reh | Fast fünf Jahrzehnte lang haben sie sich darum gekümmert, dass in der evangelisch-reformierten Kirche auf dem Theinselberg immer alles sauber und ordentlich war und die Glocken die Gläubigen rechtzeitig in die Kirche riefen. Jetzt geht das Mesnerehepaar Anna und Georg Karrer nach 47 Jahren in den Ruhestand. 'Irgendwann muss Schluss sein', meint Anna Karrer. Die Arbeit sei ihnen inzwischen einfach zu viel geworden.

Mit der Übernahme des landwirt-schaftlichen Betriebs im Jahr 1961 sei ihm die Mesneraufgabe gleich 'mitvererbt' worden, erinnert sich Georg Karrer. Wegen der günstigen Lage des Hofs, direkt neben der Kirche, sei zuvor schon sein Vater Mesner gewesen.

In den ersten Jahren im Amt mussten die beiden Mesner die Glocken noch von Hand läuten und die Uhr täglich aufziehen, erzählen sie. Dafür habe immer entweder einer von ihnen oder eins der Kinder bis unter das Dach des Kirchturms steigen müssen - außer an Silvester: 'Da haben sich bei uns die jungen Leute versammelt', erzählt Georg Karrer. 'Und alle wollten dann die Glocken läuten. Dann brauchten wir das nicht zu tun.'

Seinerzeit hätten allein auf dem Theinselberg in einem Jahr zwölf Hochzeiten stattgefunden, erinnert sich Anna Karrer: 'Heute ist das ja nicht mehr so. Das hat alles abgenommen.'

Bevor das heutige Pfarrstüberl gebaut worden war, sei es auch immer selbstverständlich gewesen, dass sich der Gesangsverein bei ihnen im Hausgang eingesungen und die Pfarrer sich in der Stube umgezogen hätten.

Blitz schlug in Kirchturm ein

Vor allem der Einschlag eines Blitzes in den Kirchturm im Jahr 1973 ist bei Anna Karrer lebendig in Erinnerung geblieben. Dabei wurden sämtliche Stromleitungen aus den Wänden gerissen: 'Ich stand grad am Fenster zum Hof, um es zuzumachen.' Sie sei zurück- und durch das Zimmer geschleudert worden, jedoch unverletzt geblieben, erzählt Anna Karrer. Nur im Stall, da habe eine Kuh nicht überlebt.

Im Laufe der Jahrzehnte haben Anna und Georg Karrer fünf Pfarrer kommen und gehen sehen. Sie waren beim Bau des Leichenhauses Mitte der 60er Jahre dabei, haben bei der Komplettrenovierung der Kirche im Jahr 1963 mit angepackt und beim Einbau der neuen Orgel tatkräftig geholfen.

Verabschiedet wird das Mesner-Ehepaar Karrer im Rahmen des Gottesdienstes in Theinselberg am kommenden Sonntag, 13. Januar, 9.30 Uhr.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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