Langzeitarbeitslose
Nur gute Erfahrungen

Der Kreistag steht am heutigen Donnerstag in Grünenbach vor einem wichtigen Beschluss: Will der Kreis Lindau Langzeitarbeitslose weiter gemeinsam mit der Arbeitsagentur betreuen? Oder will er alle Aufgaben der jetzigen Hartz-IV-Arge künftig selbst übernehmen? Der Landkreis Biberach hat letzten Beschluss bereits vor fünf Jahren gefasst - und beurteilt den Arbeitsalltag durchwegs positiv.

Wenn man den Pressesprecher des Landkreises Biberach, Bernd Schwarzendorfer, nach den Erfahrungen fragt, die sein Kreis seit fünf Jahren in der Arbeit mit Langzeitarbeitslosen gesammelt hat, dann kommt es wie aus der Pistole geschossen: «Nur gute.»

2004 hatte der oberschwäbische Landkreis die Weichen gestellt, um als kommunaler Träger im Sinne des Sozialgesetzbuches II Langzeitarbeitslose betreuen zu dürfen. Petra Alger, seit langen Jahren Sozialdezernentin im Kreis Biberach, vergisst die Entscheidung des Biberacher Kreistags nicht: «Die fiel einstimmig für die Variante Optionskommune.» Das sei für sie und ihre Kollegen «ein guter Rückhalt» gewesen.

«Die größte Herkulesaufgabe war, in der Kürze die richtigen Leute zu finden», erinnert sich die Sozialdezernentin. Etwa zehn Kollegen wechselten aus der Sozialhilfe in den neuen Fachbereich «Arbeit», auch die Schuldnerberatung ist dort integriert. Rund 30 weitere Mitarbeiter mussten neu eingestellt werden. Was Petra Alger freut: Rund 80 Prozent sind heute noch da. Kollegen aus der gehobenen Verwaltung gehören nach ihrer Aussage genauso dazu wie Sozialarbeiter oder Juristen. Mit gezielten Schulungen habe das Landratsamt das neue Team für seine Arbeit fit gemacht, speziell im Bereich Arbeitsvermittlung.

Firmenkontakte sind wichtig

Stellen für das Klientel der Langzeitarbeitslosen zu finden, hänge unter anderem von guten Kontakten zu den Firmen ab. «Wobei unsere Kunden natürlich kaum zu Großunternehmen gehen»: Arbeit für Langzeitarbeitslose, bieten vor allem kommunale Arbeitgeber und mittelständische Betriebe im direkten Umfeld. «Und da gehen wir auch gezielt auf Firmen zu.» Überregionale Vermittlung findet kaum statt.

«Vielfach brauchen diese Menschen jedoch erst einmal Hilfe und Bildungsmaßnahmen», hat Alger erlebt: Sucht, psychische Probleme oder Schulden seien Themen, mit denen die Landratsamtsmitarbeiter aber bereits in der Sozialhilfe klarkommen mussten. «Und das sind Kompetenzen, die unsere Kollegen haben - das kann die Arbeitsagentur nicht leisten», ist die Biberacher Sozialdezernentin überzeugt.

Alles unter einem Dach

Die Bürgernähe, alles unter einem Dach zu finden, hält Alger für wichtig. «Es sind kurze Wege, die Leute haben einen Ansprechpartner, und es geht schneller», betont die Dezernentin. Wichtig sei aber auch eines: Der Kreis Biberach pflegt - auch wenn er seit fünf Jahren Arbeitslosengeld-II-Empfänger komplett selbst betreut - einen guten Kontakt zur Arbeitsagentur, etwa bei gemeinsamen Jobbörsen.

Und die Bilanz nach fünf Jahren? «Wir würden jederzeit wieder optieren», so Petra Alger, und für Schwarzendorfer ist klar: «Das war die beste Entscheidung, die wir je getroffen haben.»

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by Gogol Publishing 2002-2020