Nur die Zähen schaffen es zu Bond

Von Ingrid Grohe | Bregenz Man hätte meinen können, Herr Bond kommt persönlich. Ein Geschiebe und Gedränge war das gestern vor dem Bregenzer Kornmarkttheater. Damen mit Pfennigabsätzen traten einander auf die Füße. Herren im Smoking rammten sich die Ellenbogen in die Rippen. Über drei Stunden hielten Hunderte bei Nieselregen und kaltem Wind durch, ließen sich quetschen, schieben, bis sie einzeln durch die Glastür eingelassen wurden - und damit ihrem Ziel einen Schritt näher waren: im nächsten Bond-Film mitzuwirken, der teilweise auf der Bregenzer Seebühne gedreht werden soll.

Die Schweizer Firma 'Unicorn' betreut für die Bond-Produktionsfirma 'Eon' die Dreharbeiten in Österreich. Eine ihrer Aufgaben ist es, 1500 Statisten zu finden, die bereit sind, sich Anfang Mai in Nachtschichten als Seebühnen-Publikum filmen zu lassen. Durch technisches Vervielfältigen ist es laut Unicorn-Inhaber Leonhard Gmür möglich, mit 1500 Menschen die 7000 Plätze vor dem Tosca-Auge zu füllen.

Die Anwärter in Bregenz bewerben sich auf eine rechte Strapaze - für 60 Euro Honorar pro Drehnacht. Den ersten Härtetest haben sie am Theaterportal hinter sich. Im Foyer atmet Petra Ahorner erst mal tief durch. Die kleine, aschblonde Bregenzerin ist etwas blass - auch durch ihr perfektes Make-Up ist ihr anzusehen, dass die Enge ihr zugesetzt hat. Wer mit James Bond ein Abenteuer teilen möchte, darf nicht zimperlich sein. Die Bewerberin unterschreibt denn auch auf einem Fragebogen, keinerlei gesundheitliche Probleme zu haben. Hosengröße, Hutgröße und Haarfarbe sind weiter gefragt.

Petra Ahorner wird von einer Unicorn-Mitarbeiterin vor die Leinwand geschoben. Sie muss fürs Foto ihre Laufnummer vor den Bauch halten. Zeit, sich in Pose zu werfen, ist hier nicht. Die Aufnahmen erinnern irgendwie an Fahndungsfotos. Dabei haben sich die meisten so viel Mühe gegeben mit Smokings, Abendkleidern, eleganten Fliegen und schillernden Colliers. Denn beim Outfit legt der Agent Ihrer Majestät die Messlatte hoch. Von wegen Blue Jeans und Pulli, wie die Normalverbraucher zum Spiel auf dem See gehen. Wenn der vornehme Brite kommt, soll‘s etwas mondäner zugehen.

Ein weiteres Accessoire spielt eine gewisse Rolle: Limousinen sind gefragt. Ab Mercedes S-Klasse aufwärts stellen sich die Bond-Macher den Fuhrpark ihrer Wunsch-Statisten vor. Mit einer Ausnahme: 'Jaguar kommt wohl nicht in Frage. 'Der Bösewicht im Film fährt Jaguar', erläutert ein Mann von Unicorn. 007 selbst übrigens sitze in Österreich am Steuer eines Volvo.

Entscheidung im April

Den Schluss der etwa 20-minütigen Prozedur im Theaterfoyer bildet ein kurzes Gespräch mit Karin Gmür. Es geht darum zu klären, wie flexibel die Anwärter sind. Petra Ahorner als derzeit nicht berufstätige Bregenzerin hat gute Karten. Wer von weiter her kommt (Unicorn wurde von Bond-Fans unter anderem aus Schweden und Norwegen angemailt), muss zustimmen, sich für die Drehtage in einem Hotel einzuquartieren. 'Im April werden sie benachrichtigt, ob’s klappt', sagt Karin Gmür zum Abschied. Bis dahin prüfen Regieassistenten von Marc Forster in London alle Casting-Unterlagen aus Bregenz.

Nach den ersten drei Stunden dieses Casting-Tages sind 250 Bewerber durchgeschleust. Die Wartezeiten vor dem Theater werden länger, die zuerst gute Stimmung schlägt um. Viele kritisieren die Organisation, bemängeln mangelnde Sicherheitsvorkehrungen für diesen Massenauflauf. Einige raffen die langen Kleider und verlassen entnervt den Kornmarkt. Nur die Zähen schaffen es zu Bond.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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