Ostallgäu
Nur der Name kündet von der Schlossmühle

Mit einer Länge von rund 47 Kilometern ist die Gennach, die am Fenenberg bei Bernbach entspringt, nicht nur der längste Fluss des Ostallgäus, sondern auch der längste Nebenfluss der Wertach. Im Kaufbeurer Umland fließt sie durch drei Gemeinden und trifft im Süden zunächst auf Stöttwang. Dort standen in Thalhofen und Linden zwei Getreidemühlen, deren Geschichten dokumentiert sind.

Die größere, genannt Huf-Mühle, stand in Thalhofen am Triebkanal der Gennach. Wann sie gebaut wurde, ist nicht bekannt, aber das Gebäude, in dem sie war, stammt aus dem 19. Jahrhundert, so der Mühlenexperte des Bezirks, Georg Abröll. Die Mühle mit einem integrierten Wohnteil war mit einem oberschlächtigen Wasserrad und vier Walzenstühlen ausgestattet. Seit 1954 gab es eine Turbine. Zumeist wurden Weizen und Roggen gemahlen. Spätestens seit 1925 war der Mühle auch eine Säge angeschlossen, zu der auch eine Lohmühle gehörte, die Baumrinde zu Gerbstoff verarbeitete, berichtet Abröll. Während die Mühle etwa 1965 stillgelegt wurde, ist noch heute ein Sägewerk in dem Gebäude, das die Wasserkraft nutzt, so Bürgermeister Richard Ficker.

Älter jedoch ist die Schlossmühle in Linden, die 1289 erstmals erwähnt wurde und zum Haus Ursin-Ronsberg sowie danach zum Kloster Irsee gehörte. Im Laufe der Zeit wechselte das Lehen seine Verwalter, darunter waren der «Molitor zu Linden» sowie «d Linder Mühle beim Egger».

Das Wasser kam zunächst aus der Judenquelle des Judbachs, ab 1878 aus dem Mühlbach der Gennach, so Abröll. Die Mahl- und Sägemühle war an einen landwirtschaftlichen Betrieb angegliedert, hatte zwei Mahlgänge, ab 1901 einen Walzenstuhl und ein oberschlächtiges Mühlrad, das 1912 durch eine Turbine ersetzt wurde. In dem Betrieb wurden Gerste, Hafer, Roggen, Vesen (Dinkel) und Weizen für Kunden aus Linden, Stöttwang und Obergermaringen gemahlen, erläutert Abröll. Doch 1952 kam das Aus für die Mühle, die aufgelassen wurde. Nun sei dort ein Bauernhof untergebracht, erläutert Ficker.

Weiter nördlich trifft die Gennach auf Westendorf. Zwei Mühlen gab es dort, berichtet Bürgermeister Erich Negele. Eine stand in Dösingen, die Zweite war in Westendorf. Beide seien ziemlich alt gewesen, meint Negele. Noch in den 1950er Jahren erlebten die Mühlen in Deutschland einen Boom und es gab große Fachzeitungen wie «Die Mühle» oder «Deutsche Müller Zeitung». Doch in den 1960er Jahren seien die Westendorfer Anlagen stillgelegt worden, als der Staat wegen der schweren Krise der Branche eine «Auflösungsprämie» zahlte, so Negele. Heute befinden sich stattdessen in Dösingen ein Reitstall und in Westendorf eine Säge.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen