Noro-Virus schlägt schnell zu

Marktoberdorf | dec | 'Es ist nicht aufregend, aber sehr hartnäckig.' Diese Worte wählt Lieselotte Hempel zur Beschreibung des Noro-Virus’. Seit vergangenen Freitag muss sich die Leiterin des Clemens-Kessler-Altenheims in Marktoberdorf mit den ungebetenenen, winzigen Parasiten abgeben. Denn zwei Stuhlproben machten es amtlich: die meldepflichtigen Noro-Viren sind verantwortlich für Brech-Durchfälle im Seniorenheim.

Seitdem wurden laut Ralf Kinkel, Abteilungsleiter für Gesundheit und Veterinärwesen beim Gesundheitsamt Ostallgäu, sechs alte Fälle sowie gestern sechs neuerkrankte Altenheimbewohner gemeldet. Vom Personal haben sich ebenfalls sechs Personen angesteckt. Die niedergelassenen Ärzten im mittleren Ostallgäu informierten bisher nur über eine weitere Noro-Viren-Infektion. 'Das ist nicht viel', sagt Kinkel.

Im Clemens-Kessler-Heim werden seit Freitag Vorkehrungen getroffen: An den Eingängen weisen Schilder auf den Virenbefall hin. 'Wir hoffen, dass die Angehörigen so vernünftig sind, ihre Besuche zu reduzieren, um das Virus nicht weiter zu verschleppen', sagt Lieselotte Hempel. Betreten könne man das Altenheim jedoch nach wie vor ohne offizielle Einschränkungen. Das Haus sei allerdings verpflichtet, die Hinweisschilder anzubringen.

Um weitere Ansteckungen zu vermeiden, werden außerdem besondere Hygiene-Maßnahmen getroffen. Die Bewohner etwa werden in Einzelzimmern mit seperaten Toiletten untergebracht. Für sie und auch das Personal steht Schutzbekleidung (Mundschutz, Hauben und Überschuhe) zur Verfügung. Zudem wird den Parasiten mit Desinfektionsmitteln zu Leibe gerückt.

Präventiv ließe sich allerdings wenig machen, sagt Pflegedienstleiterin Renate Mayr-Gött. Der Grund: Die Inkubationszeit der vom Noro-Virus ausgelösten Brech-Durchfälle sei sehr kurz. Und ebenso schnell wie die Krankheit auftritt, verschwindet sie meist wieder. Drei bis vier Tage Krankenstand seien etwa die Regel. Gerade älteren Menschen und Kindern mache eine Infektion jedoch zu schaffen, da ihr Körper unter der starken Austrockung leide. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist deshalb für Erkrankte unerlässlich.

Typisch für Herbst und Winter

Das Auftauchen der Noro-Viren ist laut Mayr-Gött typisch im Herbst und Winter. 'Wir waren schon froh, dass wir 2007 ohne Infektion überstanden haben', sagt die Pflegedienstleiterin. Heuer hat es das Heim wieder erwischt.

Aber auch wenn der Virenbefall nicht untypisch ist, so bedeutet er doch 'großen Aufwand für unser Haus', sagt Heimleiterin Hempel. Denn um weitere Ansteckungen zu verhindern, werden nicht nur die Hygiene-Vorkehrungen verschärft. Auch Veranstaltungen, wie das heutige Jubiläumsessen für langjährige BRK-Mitarbeiter, wurden abgesagt. 'Wir telefonieren schon den ganzen vormittag, um alle darüber zu informieren', sagt Hempel. Die regelmäßigen Betreuungsangebote (zum Beispiel Gymnastik und Singen) fallen ebenfalls aus. Damit soll sowohl der Kontakt nach außen als auch der zwischen den Heimbewohnern vermieden werden.

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