Freundschaft
«Nirgends können wir uns so gut erholen wie in Moosbach»

Krieg bringt gemeinhin Tod und Verderben. Doch auch extreme Grenzerfahrungen können Menschlichkeit hervorbringen - man denke nur an das Beispiel Kriegskameradschaft. Und genau eine solche ist Ausgangspunkt einer jahrzehntelangen wunderbaren Freundschaft zwischen den Familien Bihler (Moosbach-Steinach) und Fabri aus Rahrbach im Sauerland.

<< Nirgends auf der Welt können wir uns so gut erholen wie in Moosbach >> sagen Jochen und Edda Fabri, während sie vor den Blumen ihrer Gastgeberin Resi Bihler sitzen, Kaffee trinken und den Blick in die Weite schweifen lassen. Von der Tür weg auf dem aussichtsreichen Kohlenberg Höhenweg spazieren, vorbei an der << neuen, tollen Josef-Kapelle bis runter zu den Gestaden des Rottachsees >> - das sind für das Ehepaar (beide 52) Augenblicke, die das Herz höher schlagen lassen.

Gerade mal zwei Jahre zählte Jochen Fabri, als er erstmals zu Bihlers nach Steinach kam. Durch Zufall. Die sechsköpfige Familie Fabri war 1961 mit ihrem vollgestopften Auto auf dem Heimweg, lediglich der Lebensmittelvorrat hatte sich stark gelichtet. Auf der B 309 bei Bodelsberg entdeckte Papa Anton das Schild << Moosbach 6 km >>.

Blitzartig überfielen ihn die Erinnerungen an den Krieg. Der Lehrer und Schulleiter dachte sofort an seinen Moosbacher Kriegskameraden Hans Bihler, der bei einer sowjetischen Befreiungsoffensive in Luga im eiskalten Februar des Jahres 1944 gefallen war. Spontan entschloss sich Anton Fabri, die Mutter von Hans - ihr hatte er die Habseligkeiten ihres Sohnes zugesandt - zu besuchen.

Traurige Nachricht

Doch da trübte gleich eine traurige Nachricht diesen heißen Augusttag vor 50 Jahren: Fanni Bihler war bereits 1957 verstorben, erfuhr Anton Fabri. Seine Informantin, die damalige Käser-Ehefrau Anna Dieng, ließ aber nicht locker. << Ich kann Ihnen Valerian Bihler, den Bruder von Hans, aus dem Sonntags-Frühschoppen holen >>, schlug sie vor.

Resi Bihler, kann sich noch gut daran erinnern, wie ihr Papa mit der Familie Fabri zuhause eintraf. << Ein richtiges Fest war das, und ich spürte als Achtjährige, dass die Wellenlängen sofort übereinstimmten. >> Seitdem gab und gibt es unzählige Kontakte - sogar die Musikkapellen und andere Vereine besuchten sich gegenseitig. << Noch heute urlauben Dutzende von Rahrbachern in Moosbach und Umgebung >>, ist sich Jochen sicher.

Der Zahntechniker schwärmt geradezu von den vielen << Höhepunkten >> in Moosbach: Ob die Familie Lingg als aufmerksame Vermieter, ob der << urige, kinderfreundliche Dorfwirt Martl >>, ob die Traktorfahrten bei Valerian oder die fröhlichen Silvester-Musikabende - die Fabris mit ihren erwachsenen Kindern Rebekka und Jonas sind glücklich, wenn sie über ihr Urlaubsdomizil sprechen. Wobei sie den traurigen Anknüpfungspunkt keineswegs vergessen haben.

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