Tanz
Nigerianische Company stellt im Rahmen einer Tour das eigene Land in Kempten vor

Richard Klug ist noch immer beeindruckt. Berührt auch, denn die Bilder, die sich von einer Nigeria-Reise in seinem Kopf festgesetzt haben, hat er zuvor noch nicht gesehen. 'Obwohl ich schon viel gereist bin', wie der Leiter der Kemptener Tanzschule 'Kari Dance' sagt.

Er flog vor einiger Zeit nach Lagos, eine Zehn-Millionen-Metropole im Westen des Landes. Auf Einladung des Tänzers Micheal Ejinkeonye war er dort, und zeigen wollte ihm der nigerianische Kollege ein Projekt, an dem Ejinkeonye seit einigen Jahren arbeitet.

Klug hat nicht nur eine für ihn beeindruckende Aufführung gesehen mit zeitgenössischen Tanzströmungen und auch traditionellen, afrikanischen Elementen, die er nun für vier Wochen ins Allgäu holt. Er spürte auch tagtäglich, wie Künstler in Nigeria leben. Oder besser gesagt: überleben.

Ejinkeonyes Wohnung? Wenn sie Klug beschreiben soll, dann fällt ihm vor allem dieser Vergleich ein: 'Das baufällige Haus sah aus wie ein Hühnerstall.' Die Tür, die Ejinkeonye öffnete, hing wie an einem seidenen Faden. Als Klug eintrat, hatte er schnell den Lebensraum des Kollegen überblickt: drei auf drei Meter, höchstens.

'Mehr Platz', sagt Richard Klug, 'hat er nicht zum täglichen Leben.'

Der Kari-Dance-Chef erinnert sich auch noch an einen gemeinsamen Grillabend. Fisch gab es. Allerdings viel zu wenig für alle Anwesenden. Klug: 'Ich war der Erste, der einen großen Fisch auf seinen Teller bekam.' Er hat die Hälfte wieder zurückgegeben und mit anderen geteilt, aber für den Allgäuer Gast war das ein klares Zeichen:

'Die Menschen in diesem Land haben eine ausgesprochen soziale Ader.' Und die Truppe von Ejinkeonye besitzt laut Klug ein großes tänzerisches Potenzial.

Die dargebotene Performance auf dem Campus einer Universität fesselte und beeindruckte ihn so sehr, dass er spontan den Entschluss fasste, die Künstler mit dem Projekt 'Ajigbe – the face behind the mask' nach Deutschland einzuladen.

Der große Vorteil dabei für die nigerianischen Tänzer, Musiker und Sänger: Können sie zu Hause in ihrem Land Auftritte oder Verbindungen im Ausland vorweisen und dort durchgeführte Workshops, ist das wie ein Schlüssel, mit dem sich zuvor verschlossene Türen öffnen lassen.

Hat man diese Referenzen nicht, darbt man weiter in diesem trostlosen Zusammenspiel zwischen Armut und Nichtbeachtung. Für Richard Klug war es allerdings nicht leicht, eine mehrwöchige Tour für die afrikanische Tanzcompany zu organisieren. Natürlich spielt dabei das Geld eine Schlüsselrolle.

'Ich muss die Künstler einige Wochen in Kempten unterbringen. Für Essen und Trinken sorgen, für einen Tourbus, für Auftrittsmöglichkeiten.' Keine leichte Aufgabe auch deshalb, weil es mitnichten so sei, dass Sponsoren Schlange stehen, um so einen Besuch zu unterstützen.

Gewiss, er habe schon hier und dort Hilfe bekommen, sagt Klug. Zum Beispiel von einem Freund, der ein leer stehendes Bürogebäude in Kempten kostenlos als Unterkunft zur Verfügung stellt.

Andererseits seien die Ausgaben rund um diesen Deutschlandbesuch enorm. Die Flüge für die 13 Künstler beispielsweise kosten laut Klug 12 000 Euro. Diese Summe versucht die Company mit den Aufführungen einzuspielen. Neun Vorstellungen gibt es insgesamt.

Die Premiere findet am Freitag um 20 Uhr im Oberallgäuer Wildpoldsried statt. Einen Tag später geht es nach Starnberg. Und wenn Anfang Dezember in Freiburg zum letzten Mal der Vorhang gefallen ist, hofft Klug auf eine positive Bilanz. Künstlerisch wie finanziell.

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