Grünenbach
Niemand stoppt, um zu helfen

Susanne Burkart ist wütend und enttäuscht: Bei einem Verkehrsunfall zwischen Harbatshofen (Gemeinde Stiefenhofen) und Schönau (Gemeinde Grünenbach) in der vergangenen Woche suchte sie Hilfe bei anderen Autofahrern - und wurde minutenlang ignoriert.

Als unwirkliche Szene erlebte die 42-jährige aus Ebratshofen den Unfall, der sich vor ihren Augen ereignete. Plötzlich nahm sie ein Auto wahr, dass neben ihr auf dem Feld fuhr. «Ich dachte noch, was fährt da so schnell ein Auto, da gab es schon einen lauten Knall». Der Unfallwagen war in ein Gartenhäuschen geprallt. Susanne Burkart stoppte ihr Fahrzeug und rannte über die Wiese zum Auto. Sie sah, dass dort alle Airbags ausgelöst waren. Die Fahrerin war bewusstlos. Sofort klingelte die Unfallzeugin an dem freistehenden Haus, doch niemand war zu Hause. Sie lief zurück zur Straße, um dort Hilfe zu holen. Sie selbst hatte nur eine kurze Fahrt geplant und daher kein Handy mitgenommen.

Susanne Burkart stellte sich auf die zu diesem Zeitpunkt aufgrund des Feierabendverkehrs rege befahrenen Staatsstraße und forderte die Vorbeifahrenden mit eindeutigen Gesten und Armbewegungen zum Stoppen auf. Doch was sie erlebte, kann sie noch immer nicht begreifen: «Die Autofahrer machten einen Bogen um mich, um mir auszuweichen, aber keiner hielt an.»

Ohne Handy unterwegs

Wie viele Autos an ihr vorbei und um sie herum fuhren, kann die Inhaberin des Dorfladens in Ebrats-hofen nicht sagen. Irgendwann hielt ein Bekannter an. Doch auch er war ohne Mobiltelefon unterwegs, ging aber zusammen mit Susanne Burkart zum Unfallwagen und zog die Fahrerin vorsichtig heraus. «Raus aus dem Wagen und Seitenlage, mehr wollten wir auf keinen Fall tun, sondern auf den Rettungswagen warten», so Susanne Burkart.

Doch der war nicht unterwegs, weil eine Alarmierung nicht möglich war. Wieder rannte sie deshalb zur Straße, wieder signalisierte sie, dass Hilfe benötigt wird - und wieder hielt zunächst kein Auto an. So vergingen einige Minuten, bis ein Autofahrer aus Kempten stoppte und mit seinem Handy die Notrufnummer wählte. Der Notarzt kam und versorgte schließlich die Fahrerin.

Erste-Hilfe-Kurs erneuern

«Ich musste sofort an die Ereignisse aus dem Bahnhof in München denken. Und dass mir das jetzt passiert - dass ich hier stehe, auf Hilfe hoffe und alle vorbeifahren», sagt Susanne Burkart. «Ich dachte, so etwas passiert hier auf dem Land nicht, hier schaut doch jeder.

» Ihre persönliche Konsequenz aus dem Erlebten ist klar: «Ich werde erst mal meinen Erste-Hilfe-Kurs erneuern und künftig auch auf Kurzstrecken mein Handy mitnehmen.»

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