Kempten
Nicht weggeschaut, sondern Zivilcourage gezeigt

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Sie haben nicht weggeschaut, sondern Zivilcourage bewiesen und anderen geholfen: Elf Mitbürger sind am Dienstagabend im Rahmen einer Feierstunde in Kempten für ihr couragiertes Handeln vom «Kuratorium Sicheres Allgäu» (KSA) ausgezeichnet worden. Der Kemptener Polizeipräsident Hans-Jürgen Memel erinnerte an die Gründung des KSA vor sechs Jahren. Aus dem «kleinen Pflänzchen» sei ein regelrechtes Netzwerk geworden, in dem sich Menschen aus dem gesamten Allgäu engagieren. «Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut», betonte der Oberallgäuer Landrat Gebhard Kaiser in seiner Rede. Er ist zugleich Präsident des Kuratoriums. Im Einzelnen wurden geehrt:

Automaten-Aufbrecher gestellt

Gabriele Förster aus Blaichach (Oberallgäu) beobachtete in der Nacht des 29. August 2008, wie drei Personen einen Zigarettenautomaten an einer Gaststätte im Oberallgäuer Blaichach aufbrachen. Daraufhin griff sie sofort zu ihrem Handy und verständigte die Polizei. Bis zum Eintreffen der Beamten hielt sie die Handyverbindung zur Polizei aufrecht, so dass die Streife zum Tatort gelotst wurde und die jugendlichen Täter auf frischer Tat festgenommen werden konnten. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass die selben Täter in der Vergangenheit bereits mehrmals diesen Automaten aufgebrochen hatten. Auch andere Straftaten der Jugendlichen konnten so geklärt werden.

Einbruch in Baucontainer

In den frühen Morgenstunden des 11. Oktober 2008, bemerkten Ursula und Peter Winterle, die gerade mit dem Austragen unserer Zeitung beschäftigt waren, Geräusche an einem Baucontainer in Wertach (Oberallgäu). Der Container war an einer Umgehungsstrasse aufgestellt. Über das Handy verständigten sie daraufhin sofort die zuständige Polizei in Immenstadt und hielten ständig Verbindung zu den anfahrenden Beamten. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die Täter bereits im Baucontainer, den sie zuvor über eine eingeschlagene Scheibe betreten hatten. Im Container suchten sie nach Diebesgut. Dank der schnellen Reaktion durch das Ehepaar Winterle konnten die Täter noch vor Ort festgenommen werden.

Autoschieberbande überführt

In der Nacht des 30. März 2008 bemerkte Tanja Marklewitz aus Lindau beim Blick aus dem Fenster einen Mann, der sich auf dem Gelände eines gegenüberliegenden Autohauses aufhielt. Da sich dieser Mann äußerst verdächtig und zu später Stunde zwischen den Autos bewegte, entschloss sie sich, die Polizei zu verständigen. Die kurze Zeit später eintreffenden Beamten der Polizeiinspektion Lindau fanden den verdächtigen Mann an und überprüften seine Personalien. Schließlich stellte sich heraus, dass in das Autohaus eingebrochen worden war. Aus einem Schlüsselkasten war der Safeschlüssel gestohlen worden.

Auch fehlten zwölf Ersatzschlüssel für hochwertige Fahrzeuge. Fünf Autos waren bereits zum Abtransport vorbereitet worden. Der Gesamtwert dieser Autos belief sich auf rund 400000 Euro. Tanja Marklewitz beobachtete auch weitere verdächtige Personen, die im Rahmen der Ermittlungen ebenfalls überführt werden konnten. So stellte sich heraus, dass es sich um eine internationale, professionelle Autoschieber-Bande handelte.

Einbruch in Lagehalle

Franz Liebmann aus Kempten konnte am Nachmittag des 12. November 2008 beobachten, wie zwei jugendliche Täter eine Lagerhalle beim Ostbahnhof in Kempten mit einem Stemmeisen aufbrachen. Liebmann schrie über die Gleise, was sie denn da machen würden. Daraufhin ergriffen beide die Flucht in Richtung Innenstadt.

Geistesgegenwärtig lief Liebmann nach Hause und verständigte die Polizei. Er gab telefonisch eine Täterbeschreibung durch und wartete vor Ort das Eintreffen der Streife ab. Anhand der detaillierten Täterbeschreibung gelang es, die beiden Täter im Bereich der Innenstadt festzunehmen.

Randalierer im Zug

Am 29. Dezember 2008 randalierte eine Gruppe österreichischer Skisprungfans im Sonderzug von Oberstdorf in Richtung Kempten und schüchterte dabei auch andere Fahrgäste ein. Die Täter gehörten - wie sich später herausstellte - der rechtsnahen Szene an und sind teilweise schon als «Gewalttäter Sport» registriert. Nach dem Halt des Zuges in Sonthofen, wurden sogar Polizeibeamte bedrängt. In dieser Phase griff Karl-Heinz von der Weiden aus Wiggensbach-Ermengerst (Landkreis Oberallgäu) beherzt ein und brachte einen der Haupttäter sogar zu Boden.

Schließlich konnte die Situation unter Kontrolle gebracht werden. Insgesamt wurden fünf Randalierer festgenommen, von denen zwei bis zum nächsten Tag in Gewahrsam bleiben mussten.

Anzumerken ist laut KSA zudem, dass der Zug vollbesetzt war, darunter vor allem friedliche Sportfans und Familien mit Kindern.

Vor dem Ertrinken gerettet

Ein 61-jähriger Rollstuhlfahrer war in den Morgenstunden des 22. April dieses Jahres am nördlichen Uferdamm der Wertach in Biessenhofen (Ostallgäu) aufgrund eines Bedienungsfehlers mit seinem Elektrorollstuhl vom Weg abgekommen und anschließend den steinigen Uferdamm hinabgerutscht. Während sich das Gefährt noch an der Felsbefestigung unmittelbar am Rande der Wertach verfing, glitt der Mann aus dem Rollstuhl und fiel ins Wasser.

Seine Hilferufe hörten Yvonne Navrodt aus Biessenhofen und Friedrich Nahke (Brandenburg), die gerade die einige 100 Meter entfernte Wertachbrücke überquerten. Sie begaben sich sofort in Richtung der gehörten Hilferufe und erkannten die lebensbedrohliche Situation des Verunglückten. Während Nahke den Verunglückten festhalten konnte, verständigte Yvonne Navrodt per Handy den Rettungsdienst. Kurz darauf wurde Karl-Eugen Blanbois aus Biessenhofen auf die Situation aufmerksam und eilte ebenfalls zu Hilfe. Zusammen mit Nahke stieg er in die Wertach, um den Verunglückten aus dem eiskalten Wasser zu bergen und ans rettende Ufer zu ziehen. Wenig später traf der Rettungsdienst ein. Der Verunglückte wurde mit Verdacht auf Unterkühlung in ein Krankenhaus eingeliefert.

Unbekannter überfällt Frau

In der Nacht des 13. April in diesem Jahr wurde eine 53-jährige Frau kurz nach 23 Uhr in Füssen von zwei Männern von hinten angegriffen und zu Boden gerissen. Anschließend versuchten die Täter der Frau die mitgeführte Handtasche von der Schulter zu reißen. Die Schreie der überfallenen Frau und die Kampfhandlung bekam Uwe Bäuerle, der gerade auf der Terrasse seines Hauses stand, mit und eilte der Frau sofort zu Hilfe. Er riss die beiden Täter von der Frau weg, woraufhin diese die Flucht ergriffen. Anschließend half er der unter Schock stehenden Frau auf die Beine und verständigte telefonisch die Polizei. Ohne das mutige Eingreifen Bäuerles wäre die 53-Jährige nach Einschätzung der Polizei mit großer Wahrscheinlichkeit noch schwerer verletzt worden.

17-Jähriger liegt auf Gleisen

Ingrid Einsle aus Kempten bemerkte am 25. April dieses Jahres einen jungen Mann, der orientierungslos auf Bahngleisen in Kempten lag. Glücklicherweise kam zu diesem Zeitpunkt kein Zug, und so konnte sie den jungen Mann unverletzt von den Gleisen ziehen. Es handelte sich um einen total betrunkenen 17-Jährigen, der von einer Party wegen seines hohen Alkoholkonsums nach Hause geschickt worden war. Uneinsichtig und hilflos musste der junge Mann in Gewahrsam genommen werden, wo er später von seiner Mutter abgeholt wurde. Zweifelsohne hätte das Ganze ohne das schnelle Handeln von Ingrid Einsle ein tragisches Ende nehmen können, hieß es bei der Ehrung.

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