Kaufbeuren
Nicht verboten, aber unpassend

Es ist zum einen die Hitze, zum anderen die Bequemlichkeit. Wenn sich der Sommer von seiner besten Seite zeigt, setzt sich mancher Autofahrer mit Flip Flops oder Sandalen hinters Steuer. Verboten, glauben viele. «Das stimmt nicht», sagt hingegen Thomas Wegst von der Kaufbeurer Polizei. Es gebe dafür kein Gesetz. Dennoch meint er: Wer mit solchem Schuhwerk fährt, schwebt permanent in der Gefahr, sich ein Bußgeld einzuhandeln.

Ein Irrglaube, der sich hält

Der Irrglaube, dass Fahren mit offenen Schuhen oder gar barfuß bestraft wird, resultiere aus der Annahme, ein solches Verhalten verstoße gegen die Straßenverkehrsordnung. Nach Paragraf 58 darf ein Fahrer nur lenken, wenn er sich in einer solchen körperlichen und geistigen Verfassung befindet, dass er seinen Wagen zu beherrschen vermag. «Und mit Badelatschen zu fahren, ist auf jeden Fall fahrlässig», meint Wegst. Die Polizei habe aber durchaus Verständnis dafür, wenn mit steigenden Temperaturen nicht nur die Oberbekleidung, sondern auch die an den Füßen luftiger wird. «Spezielle Kontrollen auf diesem Gebiet führen wir daher nicht durch. Das muss jeder für sich selbst entscheiden», sagt er. Ausschlaggebend sei, wie geeignet die Schuhe sind, die Gas- und Bremspedale zu hundert Prozent richtig betätigen zu können.

Wegst appelliert, Sandalen mit Riemen oder leichte Halbschuhe ins Auto zu legen, um das Schuhwerk vor den jeweiligen Fahrten zu wechseln. Denn andernfalls könne man leicht von den Pedalen abrutschen. Und das wiederum sei mit erheblichen Risiken verbunden. «Denn wenn dadurch Dritte geschädigt oder gefährdet werden, kann auch ein Bußgeld verhängt werden», erklärt der Polizist. Wird bei einem Unfall gar ein anderer Autofahrer verletzt, kann es laut Polizei zu einer Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung kommen.

Vor zwei Jahren hat sich auch das Oberlandesgericht mit diesem Thema befasst: Ein Lastwagenfahrer hatte in seinem Fahrzeug Schuhe getragen, die zwar vorne geschlossen, hinten aber offen waren. Er war zunächst zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Später revidierte das Gericht dieses Urteil.

Die Versicherungen müssen bisher noch für den Schaden aufkommen. Wegst schränkt aber ein: «Autofahrer riskieren ihren Versicherungsschutz. Denn inzwischen wird oft von Fall zu Fall entschieden.»

Bei Dienstfahrten gilt übrigens eine Ausnahme: Kommt es zum Unfall, drohen den Fahrern bei vielen Firmen Strafen wegen der Unfallverhütungs- und Dienstvorschriften.

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