Nicht nur nett sein, Profil zeigen

Von Claudia Benz | Kempten/Oberallgäu Lange Reden mag er nicht. Tritt er öffentlich auf, sagte er in wenigen Worten, was er zu sagen hatte. Herzlich, wenn er jemandem persönlich zugetan war. Offen, wenn es um kirchliche oder politische Belange ging. Denn Hans Gerhard Maser, zehn Jahre lang an der Spitze des evangelisch-lutherischen Dekanatsbezirks Kempten und ab März im Ruhestand, ist eines wichtig: 'Nicht nur nett sein, sondern Profil zeigen.' Und so will er auch seine Kirche, die er vertritt, dargestellt wissen.

Ein sehr gut organisiertes Dekanat hat Maser (wie er sagt) von seinem Vorgänger Johannes Scholz übernommen. Dennoch war die neue Aufgabe nach der Studentenseelsorge in Erlangen 'radikal anders'. Konnte er sich als Studentenpfarrer zu 50 Prozent der Seelsorge widmen, musste er als Dekan vor allem Verwaltungsaufgaben übernehmen. Vor allem 2001, als der finanzielle Einbruch kam und ein rigider Sparkurs bei der evangelischen Kirche eingesetzt hatte, war der 'Verwaltungsmensch Maser' gefragt.

Schließlich ging es um die 'Zukunftsfähigkeit' des Dekanats, um die Personalausstattung und darum, dies alles im Einvernehmen mit dem Kirchenvorstand ('er hat das Sagen') zu regeln. Und, ist Maser überzeugt: 'Wir haben es geregelt'. Krankenhaus-, Altenheim- und Urlauberseelsorge wurden laut Dekan gestärkt, Jugendarbeit forciert, die finanzielle Ausrichtung gut gelöst - mit viel Arbeit, aber ohne Streit.

Dazu hat der 63-jährige gebürtige Günzburger das Gesicht der evangelisch-lutherischen Kirche im Dekanat nach außen mit geprägt: Als langjähriger Rundfunkprediger ebenso wie bei vielen öffentlichen Auftritten in einem der größten evangelischen Dekanate mit knapp 60 Pfarrern und 40 Religionspädagogen, rund 70 000 Gemeindemitgliedern (mit Zweitwohnungen sogar 100 000) vom Bodensee bis Kaufbeuren. Was Maser dabei stets wichtig war: Nicht nur Grußworte abzusondern ('ein Dekan hat zu sagen, was er zu sagen hat'), sondern die evangelisch-lutherische Kirche immer wieder nachvollziehbar darzustellen.

'Ökumene - nie ein Problem'

In diesem Sinne hat Hans Gerhard Maser 'gerne die evangelische Kirche vertreten', war beispielsweise das ökumenische Kirchenjahr ein Höhepunkt seiner Amtszeit.

Ökumene übrigens - die war und ist aus Sicht Masers 'nie ein Problem'. Einfach deshalb 'weil ein Großteil der Gemeindemitglieder kein Verständnis für den Machtkampf der Großkirchen hat'.

Wenn Hans Gerhard Maser freilich zum 1. März in Ruhestand geht, wird er sich erstmal völlig zurückziehen. In seinem neuen Haus in Waltenhofen will er statt Gottes Acker den eigenen Garten bearbeiten - und vor allem an Wochenenden (die ein Pfarrer nie frei hat) eines tun: Nichts.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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