Ottobeuren
Nicht der Gipfel, der nächste Bach ist das Ziel

Wandern ist ein Erlebnis für die ganze Familie, finden Ve Güthler und Frank Hühner. Sie leiten gemeinsam mit ihren Ehepartnern die Familiengruppe des Memminger Alpenvereins. Beide haben Kinder im Grundschulalter. Sie geben Tipps, wie eine Wanderung mit Kindern gelingt.

Erst hoch auf den Berg, um dann wieder runterzulaufen. Wie vermittle ich Kindern, dass Wandern Spaß macht?

Frank Hühner: Gar nicht. Es geht anders herum. Man muss als Erwachsener die Sichtweise der Kinder einnehmen. Für Kinder ist nicht der Gipfel das Ziel, sondern der Weg. Unterwegs gibt es für sie jede Menge zu entdecken: Da sitzt ein Käfer auf einem Stein, dort wächst eine interessante Pflanze und ein Stück weiter fließt ein Bach.

Wenn man Kinder diese Entdeckungen machen lässt und selber mitmacht, haben alle Spaß dabei. Wie kann ich Kinder mit einfachen Tricks zum Wandern motivieren?

Hühner: Oft reichen banale Dinge, wie zum Beispiel eine Becherlupe. Damit kann man kleine Tiere oder Pflanzen genauer anschauen.

Ve Güthler: Es gibt auch verschiedene Wegspiele: Jeder darf schätzen wie viele Enziane wir die nächste Viertelstunde sehen. Und der am nächsten dran ist, hat gewonnen.

Was ist wichtig beim Wandern mit Kindern?

Güthler: Die Tour muss den Fähigkeiten der Kinder angepasst sein. Man muss auch mal den Mut haben umzukehren, wenn die Tour schwieriger ist als vermutet. Wenn ich nicht mehr sicher gehen kann, bin ich keine Hilfe für meine Kinder.

Wie bereite ich mich aufs Wandern vor?

Hühner: Ich brauche von der Gegend eine sehr gute Karte - am besten eine topografische, damit kann ich auch die Steigungen und Geländeformen herauslesen.

Güthler: Wichtig ist, dass ich mich auf die Leistungsfähigkeit der Kinder einstelle. Sie brauchen etwa das Eineinhalbfache an Zeit. Gut ist, wenn auf dem Weg Spiel- und Einkehrmöglichkeiten liegen. Die Aussicht, dass es auf der Alpe Kässpatzen oder Kaiserschmarren gibt, motiviert die Kinder natürlich auch.

Warum ist Wandern der ideale Familiensport?

Hühner: Weil man es zusammen machen kann. Was kann die Familie sonst schon gemeinsam an sportlichen Aktivitäten machen? Der eine spielt lieber Fußball, der andere geht zum Handball. Für uns steht beim Wandern das gemeinsame Erlebnis als Familie im Vordergrund.

Güthler: Außerdem steht dabei für uns nicht der Wettbewerb an erster Stelle, sondern der Spaß.

Was tun, wenn man eine Wanderung geplant hat, und dann die Kinder keine Lust mehr haben?

Hühner: Das kenne ich auch. Wir wollen gerade losgehen und dann kommt meine Tochter und sagt: Heute habe ich gar keine Lust.

Und was machen Sie dann?

Hühner: Ich versuche ihr die Wanderung schmackhaft zu machen und erzähle ihr, was wir genau machen. Dass wir an einem Bachlauf vorbei kommen, zum Beispiel. Aber das musste ich auch erst lernen. Anfangs kam meine Tochter danach manchmal zu mir und hat gesagt: Wenn ich gewusst hätte, was wir machen, dann wäre ich gleich mitgekommen.

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