Buchloe
Neujahrskonzert voller Ausgrabungen

Weihnachten hat viel mit Tradition zu tun und viele verbinden eine Fülle vertrauter Melodien mit diesem Fest - auch in der Kirchenmusik. Umso interessanter, dass sich der Buchloer Kirchenmusiker Thorsten Schmehr im Vorfeld des Neujahrskonzerts ausgiebig daran gemacht hatte, lange Zeit gar nicht gespielte oder zum Teil bisher noch gar nicht im Druck erschienene Werke «auszugraben» und für eine Aufführung einzurichten.

Unter seiner Gesamtleitung brachten Musiker aus Buchloe und dem Umland sowie Mitglieder des Saar-Lothringischen Kammerorchesters, sein Kollege Wolfgang Münchow (Continuo), der Chor der Stadtpfarrkirche mit den Solisten Waltraud Strößner (Sopran), Hedwig Mahl-Schöner (Alt), Helmut Jambor (Tenor) und Michael S. Hanel (Bass) Werke von Johann Baptist Vanhal, Carl Loewe, Christian Gotthelf Scheinpflug und Georg Gebel d. Jüngeren zu Gehör und sorgten damit für Höreindrücke abseits des oft immer Gleichen.

Festlicher Glanz

An Orchesterwerken hatte Schmehr mit den Musikern jeweils die Kopfsätze zweier Sinfonien Vanhals (1739-1813) und Scheinspflugs (1722-1770) einstudiert, die beide passenden festlichen Glanz zur ausklingenden Weihnachtszeit verbreiteten.

Beide Sinfoniesätze arbeiteten lebendig mit den Instrumentalfarben, boten zwar kaum harmonische Überraschungen, zeigten aber einen effektvoll gestalteten, bisweilen prickelnd-vorwärtsdrängenden Aufbau.

Romantisch geprägtes Werk

Hauptwerke des Abends waren der erste Teil «Advent-Weihnachten» aus Carl Loewes (1796-1869) Geistlichem Oratorium «Die Festzeiten» op.66 sowie das Weihnachtsoratorium «Jauchzet ihr Himmel, erfreue dich, Erde» von Georg Gebel (1709-1753) d. Jüngeren. Das romantisch geprägte Werk Loewes gab sich sehr dunkel, fragend im Charakter, bisweilen auch etwas vorsichtig-suchend in der Ausführung.

Die Sänger, im Soloquartett «Noch vierhundert Jahre» zu einem ersten, harmonisch reizvollen Höhepunkt geführt, mussten anfangs mit ihren Partien teilweise etwas warm werden. Im Laufe des Abends überzeugten sie allerdings mit strahlender, geschmeidig-warmer Höhe (Michael Hanel), substanzreicher Ausdruckskraft (Hedwig Mahl-Schöner), eleganter, sauber geführter Höhe (Waltraud Strößner) sowie mit tenoralem Schmelz und beachtlicher Höhe der Kopfstimme (Helmut Jambor). Als musikalisch zwar sehr fähiger, über eine klare Vorstellung von seinem Part verfügender Nicht-Profi hatte Jambor jedoch einen schweren Stand: Gestalterisch und intellektuell seiner Partie problemlos gewachsen, gingen jedoch Loewe und Gebel zusammen kräftemäßig über die Möglichkeiten seiner Stimme. Dennoch verdient sein Durchhaltevermögen Respekt.

Ein wenig Atemanhalten als Grundstimmung war auch mitunter in Bezug auf Chor und Orchester spürbar, die - wenngleich insgesamt in ihren (Einzel-)Leistungen hochkonzentriert agierend - sich doch hier und da erkennbar nicht auf dem sicheren Terrain gut bekannter Werke befanden. Dennoch war der Abend in jedem Fall für die Hörer ein Gewinn, reich an Höhepunkten: Dazu gehörten ein actionreich abgefackeltes Unwetter in dem Loewe-Chorsatz «Ach, dass Du den Himmel zerrissest» und ein zart-unwirkliches, das Weihnachtsgeschehen nachzeichnendes Tenor-Rezitativ ebenso wie bei Gebel die überbordende Weihnachtsfreude des Eingangschores, die impetusgeladene Alt-Arie «Nichts, als reine Himmelsfreude», die zündend umgesetzte Bass-Arie «Nur im Lichte» oder schließlich das Sopran/Alt-Duett, das man nur als Hörgenuss bezeichnen konnte.

Lucia Buch

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