Neues Kraftwerk soll ein Juwel werden

Von Jochen Sentner Kempten So etwas haben die Kemptener noch nicht gesehen: Ein Wasserkraftwerk, das in Form und Farbe an dynamische Fluss-Elemente erinnert. Vorgestellt wurde ein Modell für den geplanten Neubau nun im Bauausschuss. Und der zeigte sich hellauf begeistert. Einstimmig befürworteten die Räte das Vorhaben des Allgäuer Überlandwerks (AÜW), das alte Kraftwerk auf der Westseite des Flusses abzureißen und zu ersetzen. Baubeginn soll noch heuer sein. Rund zehn Millionen Euro investiert das Versorgungsunternehmen in das Projekt an der Iller.

Der Standort könnte sensibler kaum sein: Westlich und östlich des Flusses ragen die imposanten, denkmalgeschützten Bauten der ehemaligen Spinnerei/Weberei in die Höhe. Mitten in diesem städtebaulich interessanten Umfeld soll ein leistungsfähigeres Kraftwerk mit zwei neuen Turbinenanlagen und Transformator entstehen, erläuterte Baureferentin Monika Beltinger. Dazu müsse der Einlaufkanal verbreitert werden, der Insel im Fluss wird einiges abgegraben.

Der Entwurf des Kemptener Büros Becker Architekten nehme das Thema Wasser/Welle auf, befand Beltinger. Das Turbinenhaus und die technischen Einrichtungen würden später unter einer geschwungenen Konstruktion verschwinden, die möglicherweise mit Kupferschindeln abgedeckt werde. 'Ich denke, dass an einer besonderen Stelle der Stadt ein Juwel entstehen wird', freute sich die Fachfrau.

Einige positive Auswirkungen auf das Umfeld stellte sie obendrein in Aussicht. Die Lärmemissionen würden gemindert, weil künftig seltener Wasser in großen Mengen über die Wehrkrone fließen werde. Bewohner der Rosenau wüssten dies einmal zu schätzen. Gleichzeitig erspare man sich wohl teure Umbauten des Wehrs.

Und für den lang ersehnten Lückenschluss des Geh- und Radwegs westlich der Iller bringe das Projekt ebenfalls einen Anschub: 'Es ist sinnvoll, den Weg im gleichen Zuge zu bauen.'

Steg ist Teil des Denkmals

Den einzigen Wermutstropfen sahen viele Ausschussmitglieder in dem Leitungssteg, der seinerzeit die Gebäude der Spinnerei/Weberei auf beiden Seiten des Flusses verband. Nach übereinstimmender Ansicht der Denkmalschutzbehörden und des Stadtheimatpflegers ist der Steg nämlich zu erhalten. Dazu ist notwendig, einen Teil auf der Westseite umzubauen und zu verstärken, damit eine Stütze entfernt werden kann, die nach dem Umbau sonst im Einlaufkanal des Kraftwerks stehen würde. 'Das ist nicht zu verstehen', meinte Hans Mangold (Grüne), 'das ist doch ein funktionsloses Gebilde.' Auch Richard Hiepp und Erwin Hagenmaier (beide CSU) hielten den finanziellen Aufwand für unnötig. Selbst der Oberbürgermeister ließ durchblicken, dass seine Meinung in die gleiche Richtung gehe. Die zuständigen Stellen hätten aber anders entschieden - dagegen gebe es keine stichhaltigen Argumente. Der Landeskonservator habe eindeutig den Erhalt des Stegs gefordert.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ