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Lindau
Neue Technik in altem Haus

Eine Solaranlage auf dem Dach, ein Kaminofen mit Wassertasche im Wohnraum, dazu eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung - das 1927 gebaute Gebäude am Lindauer Entenberg verbindet den Charme eines Altbaus mit modernster Technik. Für die Sanierung hat das Architekten-Ehepaar May beim Wettbewerb «Zukunft heute» des Bundesumweltministeriums und der deutschen Energie-Agentur (DENA) den dritten Preis gewonnen. «Machbar ist alles. Es muss aber auch noch sinnvoll sein», erklärt Markus May das Vorgehen bei der Sanierung.

Nicht jedem hat sich früher die Qualität des Hauses am Lindauer Entenberg erschlossen: 105 Quadratmeter verteilt auf zwei kleine Wohneinheiten, die Zimmer beheizt mit einzelnen Ölöfen, die Räume insgesamt sanierungsbedürftig. Die beiden Architekten haben nach dem Kauf des Hauses alle Varianten durchgespielt. Komplettabriss, Teilabriss bis zum Keller oder eine Sanierung. Sie entschieden sich für Letzteres. Weil es die «sinnvollste Variante» war und die beiden «gern in einem Altbau leben», wie es Markus May formuliert.

Früher wurde das Haus komplett mit Öl beheizt. Heute setzen Anja und Markus May auf die Kombination verschiedener regenerativer Energien. Einer ist die kontrollierte Be- und Entlüftung. Der verbrauchten Raumluft wird Wärme entzogen und der Frischluft zugeführt. Versorgt wird die Lüftungsanlage über einen Erdwärmetauscher.

Eine Solaranlage auf dem Dach liefert genügend Energie, um einen 650-Liter Pufferspeicher warm zu halten.

Früher ist das Haus mit Einzelöfen beheizt worden. Heute findet sich nur noch ein Ofen im ganzen Haus. Er steht im Wohnraum und wird im Winter mit Stückholz befeuert. Dann gibt er zwei KW Leistung an den Raum ab, sechs KW wandern in den Pufferspeicher.

Verbunden haben die beiden Architekten die Haustechnik mit einer hochwertigen Dämmung. Aufs bestehende 30-Zentimeter dicke Mauerwerk haben sie eine Außendämmung gepackt. Eine Holzkonstruktion als Untergerüst wurde mit 22 bis 23 Zentimetern Zelluloseflocken befüllt, außen drauf kam eine Holzverschalung. «Vom Kosten-Nutzen-Verhältnis die attraktivste Lösung», sagt Markus May. Unwesentlich teurer als ein Wärmeverbundsystem mit Polystyrol, dafür «baubiologisch unbedenklich, ressourcenschonend und nachhaltig».

Die Außendämmung wurde so montiert, dass sie später mit geringem Aufwand zurückgebaut werden könnte, auch wenn das Ehepaar das selber nicht vorhat.

Um das Energiekonzept umsetzen zu können, war es nötig, die Fenster auszutauschen. Die neuen genügen den Ansprüchen an ein Passivhaus (u-Wert von 0,5), zudem wurden die Rahmen überdämmt. Durch das Gesamtkonzept sind die Energiekosten in den Keller gegangen. 200 Euro im Jahr benötigen die Mays noch für das 82 Jahre alte Haus.

Das Haus hat zwar quasi eine neue Infrastruktur bekommen, seinen Charakter hat es bei all dem aber behalten. Was immer es Wert war haben die Mays erhalten. Die alten Holzböden blieben im Haus. Wo es nötig war, wurden sie mit Dielen aus heimischer Weißtanne ergänzt.

Auch Holztüren und die Treppe ins Obergeschoss haben die Mays aufpoliert, die 18 Jahre alten Ziegel vom Dach geholt, dampfgestrahlt und den Dachstuhl damit wieder eingedeckt. «Es hätte weh getan, die intakten Ziegel wegzuwerfen» (Markus May).

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