Neue Straßenführungs-Philosophie in der Altstadt

Freie Fahrt für das Regensburger Modell Kaufbeuren (mab). Eine neue Philosophie der Straßengestaltung will Kaufbeuren im Ringweg und in der unteren Ludwigstraße gehen: Straße und Gehweg werden zu einer Einheit, baulich und optisch nicht unterscheidbar, noch nicht einmal mit einem Farbstrich. Autos wie Fußgänger sind absolut gleichberechtigt, letztere dürfen auch ganz nach Belieben mitten auf der Straße laufen. Das ist im Kern das 'Regensburger Modell', das Baureferatsleiter Ralf Baur jüngst im Bauausschuss vorstellte. So überzeugend, dass die Stadträte dem Modell gleich zustimmten.

Kern des Regensburger Modelles ist, dass es 'bewusst keinerlei Zonen für Autofahrer und Fußgänger gibt', so Baur. Er habe sich die Sache eigens in der Oberpfalz angeschaut und 'das funktioniert'. Dadurch, dass die Autofahrer in einer Straße keinerlei Begrenzungen, keinerlei eigenen Bereich fänden, seien sie verwirrt und führen wesentlich vorsichtiger, als wenn ihnen ein klarer Bereich zugewiesen sei. 'In solchen Bereichen wird dann tatsächlich Schrittgeschwindigkeit gefahren, jeden Moment muss ein Autofahrer damit rechnen, dass ihm ein Fußgänger in die Quere kommt. Das Ganze klappt aber nur, wenn tatsächlich optisch keinerlei Abgrenzung existiert. Der Autofahrer darf zu keinem Zeitpunkt das Gefühl haben: Aha, das ist jetzt meine Straße.'

Zunächst erntete Baur mit seinen Ausführungen im Bauausschuss ein paar irritierte Blicke. Als er aber betonte, dass man dieses Modell mit allen Anwohnern der beiden Straßenzüge bei einer Infoveranstaltung besprochen habe und auch alle dem zugestimmt hätten, brach schnell das Eis. 'Ich war bei der Infoveranstaltung und bin überzeugt worden. Das Erscheinungsbild der Straße wird auch eleganter', so Rudolf Bufler (Freie Wähler). 'Ich finde es gut, dass die Verwaltung vorher mit den Anwohnern spricht', meinte zudem Hans Häußer (Kaufbeurer Initiative). Das Gremium stimmte schließlich einstimmig zu.

Wie berichtet, wird der Bereich Ringweg/Ludwigstraße wegen Kanalbauarbeiten derzeit umfangreich saniert. In diesem Zusammenhang soll auch das Regensburger Modell eingeführt werden. Die Oberfläche der Trasse wird aus Kleinsteinpflaster bestehen, so Baur. Die Bauarbeiten werden sich vermutlich noch das ganze Jahr 2007 hinziehen.

Künftig eine Stunde Parkzeit

Kaufbeuren (mab). Länger Parken dürfen die Bürger künftig in der Altstadt. Waren bisher maximal 45 Minuten möglich, so dehnte der Verwaltungsausschuss der Stadt Kaufbeuren die Parkzeit jetzt (bei drei Gegenstimmen ) auf eine Stunde aus. Die erste Viertelstunde bleibt dabei nach wie vor kostenlos, man muss lediglich den Bon am Automaten ziehen und im Auto hinterlegen ('Semmeltaste').

Für jede weitere Viertelstunde sind dann 50 Cent fällig - bis zur Parkhöchstdauer von 60 Minuten. 'Der Handel hat diesen Wunsch an uns herangetragen', so Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU).

'Ich verstehe das nicht. Die Kurzzeitparkplätze waren doch eingeführt worden, um den Einzelhandel vor dem Untergang zu bewahren und für jene, denen der Weg zum Parkhaus zu weit ist. Was aber haben 60 Minuten noch mit einem Kurzzeitparkplatz zu tun?', fragte Dieter Matthes (SPD).

'Es geht um eine wirtschaftsfreundliche Politik und wir stehen dafür', so Dr. Thomas Jahn (CSU). 'Die Stadtverwaltung sollte noch Ideen entwickeln, wie man unser Angebot werbewirksam in anderen Städten präsentiert. In Füssen oder Augsburg beispielsweise wird man nämlich nach Strich und Faden abkassiert.' Bosse erwog, 'uns am Stadteingang entsprechend zu präsentieren. Kaufbeuren gilt leider immer noch als autofahrerfeindlich'.

Bernhard Pohl (FW) hielt das für übertrieben: 'Da überschätzen wir uns.' Eine entsprechende Annonce in der Zeitung wäre ausreichend. Wirtschaftsreferatsleiter Siegfried Knaak betonte, dass die Park-Zeiten an den Verkehrsinfotafeln präsentiert würden. Nach Angaben des Ordnungsamtes wird die Umstellung auf die neuen Zeiten erfolgen, sobald die Firma, die die Parkautomaten betreut, dies technisch umstellen kann.

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