Bad Grönenbach
Neue Horizonte

Bis auf die schwarze Kutte sieht der Mann mit dem langen weißen Bart und den von Lachfalten umsäumten, gütigen braunen Augen aus, als sei er einem Kindertraum vom Weihnachtsmann entsprungen. Hoffnung bringen, das ist das Anliegen von Pater Anselm Grün, der durch seine Publikationen und Kurse in Meditation, Fasten und Kontemplation schon vielen Suchenden neue Perspektiven eröffnete. Als Begleiter kranker und leidender Menschen wird der Pater oft mit Fragen konfrontiert wie: «Warum ist das passiert? Warum gerade mir? Und wenn Gott allmächtig und barmherzig ist, warum verhindert er dann nicht den frühen Tod geliebter Menschen, Erdbeben und Flutwellen?»

Zum Vortrag «Womit habe ich das verdient? Die unverständliche Gerechtigkeit Gottes» des promovierten Theologen und Benediktiner-Mönches kamen etwa 500 Gäste in die Stiftskirche. Am Beispiel der vier Evangelien erläuterte der Autor ebenso zahl- wie erfolgreicher Lebenshilfebücher, wie christlicher Glaube helfen kann, Leid zu bewältigen. Über theologische Erklärungsversuche hinaus greift er dabei auch auf die Psychologie Carl Gustav Jungs zurück.

Bibel gibt keine Begründungen

«Wir können Gott nicht in die Karten schauen. Die Bibel gibt uns keine Begründung für das Leid, nur Anweisungen, wie wir hindurchgehen sollen», erklärt Pater Grün seinen Zuhörern.

Der Schlüssel für eine Annahme des Leides sei im Evangelium des Lukas zu finden, der Leid als Voraussetzung zum Eingang in die Herrlichkeit beschreibe: «Schicksal widerfährt uns, aber es zerbricht uns nicht». Krankheit und Leid zerbrächen lediglich die Vorstellungen und Illusionen, die wir uns über uns selbst, über das Leben und über Gott machen und führten zur Erkenntnis des wahren Selbst.

So gesehen wird der Leidende zum Günstling Gottes oder des Schicksals, Hiob zum Auserwählten, der wie Phönix aus der Asche aufersteht, um sich zu neuen Horizonten aufzuschwingen. Oder wie Paulus es im 2. Korintherbrief formuliert: «Die Gnade Gottes kommt in der Schwachheit zur Vollendung».

Wo es keine Erklärungen gibt, der Verstand und das Ego schweigen, werden wir «durchlässig für Gott». Als destruktiv für die Leidensbewältigung bezeichnete Grün die «Selbstbestrafungstendenz des Menschen», der das Leid als Strafe verstehe und sich mit Schuldgefühlen zerfleische - ohne sich mit dem Anteil der katholischen Kirche an diesem psychologischen Phänomen auseinanderzusetzen.

Ein wohltuender Abschluss der Veranstaltung war eine gemeinsame Meditation zur Selbstannahme.

Buch Das Buch «Womit habe ich das verdient?» ist 2005 im Vier Türme Verlag erschienen und kostet 16,90 Euro.

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