Neue Front für Radarsoldaten

Kaufbeuren/Berlin | avu | Regelmäßig bekommt der Kaufbeurer Heinz Dankenbring Nachricht über neue Todesfälle. Ehemalige Kameraden, die einen jahrelangen Kampf verloren haben. Gegen den Krebs und andere Krankheiten. Und gegen den eigenen früheren Dienstherrn, das Verteidigungsministerium, das keine Entschädigungen zahlen will. 'Bei der Bundeswehr leugnet man Tatsachen und verhält sich unmoralisch', sagt Dankenbring, Vorstandsmitglied des Bundes zur Unterstützung Radargeschädigter und Opferbeauftragter für Bayern.

Seit Jahren kämpfen erkrankte ehemalige Bundeswehrangehörige um ihr Recht. Die 'Radarsoldaten' werfen dem Verteidigungsministerium vor, von den Gefahren durch Röntgenstrahlen bei der Arbeit am Radar an zahlreichen Standorten der Bundeswehr und der früheren Nationalen Volksarmee in den 60er und 70er Jahren gewusst und nicht für ausreichende Sicherheitsvorkehrungen gesorgt zu haben. Auch im Allgäu gibt es laut Dankenbring zahlreiche Betroffene.

Längst haben Wissenschaftler die damalige krankmachende Wirkung des Radars bestätigt und großzügige Wiedergutmachung gefordert (wir berichteten). 'Die Verwaltung hält sich aber einfach nicht an die Expertenmeinung', so Dankenbring, der einst in Lechfeld und an der Technischen Schule der Luftwaffe (TSLw 1) in Kaufbeuren arbeitete und selbst erkrankte.

Zudem setzt das Ministerium nach Ansicht des Opferbundes auf den Zeitfaktor. Schmerzensgeldansprüche verjähren grundsätzlich drei Jahre, nachdem die Ursache des Schadens bekanntgeworden ist, spätestens aber nach 30 Jahren. Dies berücksichtigen Gerichte als 'formalen Abweisungsgrund', weil es das Verteidigungsministerium eben geltend macht. 'Für das Ansehen der Bundeswehr in der Öffentlichkeit sowie bei den ehemaligen und derzeitigen Beschäftigten würde es dem Dienstgeber gut zu Gesicht stehen, sich nicht auf die formalen Gründe der Verjährung zurückzuziehen', so der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, in einem Schreiben an Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung. So drohe ein Scheitern eventuell berechtigter Ansprüche aus rein rechtsförmlichen Gründen, meint der Allgäuer Bundestagsabgeordnete Kurt Rossmanith (CSU), der seit langem ebenfalls mit der Angelegenheit befasst ist.

Der Opferbund kritisiert, dass das Bundesverteidigungsministerium, indem es auf Verjährung pocht, Vergleichsvorschläge ablehnt und bei verlorenen Sozialgerichtsprozessen grundsätzlich in Berufung geht, 'dem Leiden der Betroffenen in keiner Weise gerecht wird'. Für Dankenbring handelt es sich aber nicht nur um ein bürokratisches Problem: 'Dass die Bundeswehr-Verwaltung auch heute noch so handelt, ist ohne politische Duldung sicherlich nicht möglich.'

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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