Theater
Nazi-Komödie Sein oder Nichtsein feiert in Kempten Premiere

Auf der Bühne des Kemptener Stadttheaters wird ein riesiges Hakenkreuzbanner, das fast die Hälfte der Bühne einnimmt, aufgestellt. Regisseur Barry L. Goldman prüft die Seile und Gassen und bespricht mit den Technikern letzte Details. Später werden die Schauspieler zur ersten Stell- und Beleuchtungsprobe für 'Sein der Nichtsein', einer Komödie nach dem Ernst-Lubitsch-Film 'To Be or Not to Be' erwartet.

Eine Komödie über den Nationalsozialismus, in der Grausamkeit und Komik untrennbar miteinander verwoben sind. Kein leichtes Unterfangen also. Nur wenige Tage hat das neunköpfige Schauspielensemble in Kempten, bis am Freitag der rote Vorhang sich öffnet und den Blick freigibt – nicht nur auf ein Hitlerfoto und Hakenkreuze, sondern auch auf eine zweite Theaterbühne. 'Wir sind live im Theater und erzählen über das Theater', berichtet Regisseur Goldman. 'Aber im Kern geht es ums pure Überleben.'

Die Komödie ist eine Verwechslungsgeschichte während der Kriegswirren in Polen, in der ein Theaterensemble in die Rollen der Besatzer schlüpft und so in doppeltem Sinne um Leben und Tod spielt.

'Die Schauspieler müssen höchste Sensibilität für Humor mitbringen', sagt der Amerikaner Goldman und fügt verschmitzt lachend hinzu: 'Die Schauspieler spielen schlechte Schauspieler. Das ist sehr gefährlich.' Nach vier Wochen intensivster Arbeit sei das gegenseitige Vertrauen da und mit den Möglichkeiten der Kemptener Bühne die beste Zeit zum Proben gekommen, freut sich der Regisseur, dessen Inszenierung von 'Händel und Bach' 2008 auch schon in Kempten Premiere feierte. Von hier aus wird die Produktion der Theatergastspiele Kempf dann ihre Deutschlandtournee starten.

'Das Konzept ist sehr zerbrechlich', so Goldman mit Blick auf die heikle Problematik, sich mit dem Wissen vom Holocaust über den Nationalsozialismus und seinen Rassenwahn und Antisemitismus zu amüsieren. 'Man kann, darf und muss lachen, gerade weil es so unfassbar ist', sagt der seit fast zwanzig Jahren in München lebende Jude Goldman über den Kern jüdischen Humors, auch über tragische Dinge zu lachen.

Selbst wenn vielleicht dem Zuschauer das Lachen im Hals stecken bleiben wird. 'Wie aktuell das Thema ist, zeigen die neuesten Entwicklungen deutlicher als einem lieb sein kann', äußert auch Theaterdirektorin Nikola Stadelmann im Hinblick auf die terroristischen Aktivitäten der Neo-Nazi-Szene.

Premiere ist am Freitag, 2. Dezember, um 20 Uhr im Stadttheater. Um 19.15 Uhr gibt es eine Einführung im Theater-Oben. Karten-Vorverkauf im AZ-Service-Center unter Telefon 206-430.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen