Allgäu
Naturschutz und Alpwirtschaft als Verbündete

3Bilder

Ein mit Blumen und Kräutern geschmücktes «Kranzrind» führt beim Viehscheid traditionell mit dem Hirten die Herde an. Das drückt den «Dank an den Herrgott aus, dass im Sommer auf der Alpe alles gut gegangen ist», sagt Michael Honisch, Geschäftsführer des Alpwirtschaftlichen Vereins Allgäu.

Statizie, Weißtanne und Schafgarbe werden in den Kopfschmuck des Kranzrinds eingeflochten, aber auch Silberdistel oder Enzian, also Pflanzen, die unter strengem Schutz stehen. Gibt das keine Probleme mit Naturschützern?

<< So wenige Pflanzen der Natur zu entnehmen ist vom Artenschutz her sicherlich nicht relevant. >> urteilt Honisch. << Im Gegenteil, durch ihre Darstellung werden diese seltenen Arten als etwas Besonderes anerkannt. >> Sogar der Naturschutz-Fachreferent des Landkreises Oberallgäu, Werner Oppold, hat damit kein Problem.

Asphalt auf Alpwegen

Und was ist mit den Alpwegen, die seit Jahren schon asphaltiert werden und die die 689 Allgäuer Alpen erschließen, ist das kein Thema, das den Naturschützer ärgert? Oppold bleibt ruhig. << Es ist schon grundsätzlich so, dass wir keine bituminösen Tragdeckschichten wollen. Wir versuchen, diese Art des Wegebaus auf ein Minimum zu reduzieren. >> Sie scheint aber gar nicht so selten zu sein.

In den vergangenen 13 Jahren sind im Allgäu über 50 Kilometer Alpwege asphaltiert worden. Insgesamt wurden dort 115 Wege (124 Kilometer lang) gebaut, 106 davon im Oberallgäu und neun im Ostallgäu. Zahlen, die Ferdinand Bisle, Leitender Baudirektor am Amt für Ländliche Entwicklung in Krumbach (ALE) nennt. Das verschlang allein im Oberallgäu über 20 Millionen Euro, wurde allerdings zum Großteil von Bund und Land gefördert (13,5 Millionen Euro).

Warum hält häufig Asphalt auf Bergwegen Einzug? Starkregen weiche die Verbindungen sonst auf, spüle sie gar weg. Ständige Reparaturen wären die Folge, sagt Honisch. Diese Art des Ausbaus wird zudem nur bei einer Steigung von mehr als zwölf Prozent genehmigt. Honisch: << Von 45000 Hektar Alpfläche sind nur 96 Hektar asphaltierte Wege. >>

Oppold und Honisch sind sich einig: << Alpwirtschaft und Naturschutz sind natürliche Verbündete. >> Schließlich gehe es darum, der Verwaldung entgegenzusteuern, Wildblumen und Kräutern einen Lebensraum zu geben. Wer die Alpflächen allerdings nutzen wolle, der müsse auch für eine gute Erschließung sorgen. Auch Älpler könnten einmal dringend auf eine schnelle ärztliche Versorgung angewiesen sein - genauso wie ihr Vieh.

Einigkeit also zwischen dem Naturschutzreferenten und dem Mann der Landwirtschaft. Ein Thema lässt den sonst ruhigen Oppold allerdings fast aus der Haut fahren: Wölfe. In den räuberischen Vierbeinern sieht Honisch << eine starke Gefährdung der Alpwirtschaft. >> Bis nach Oberbayern seien schon einzelne Exemplare vorgedrungen, könnten die Alpwirtschaft im Allgäu gefährden. Das wiederum ist in den Augen von Oppold << ein Schmarrn, dass es pfeift. >>

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen