Bad Hindelang
Naturschützer freuen sich über die «Schlangengrube»

Ob bei der Heuernte, bei der Waldarbeit oder beim Bergwandern: Noch vor 30 Jahren begegnete man an den Hängen um Hindelang, Oberjoch und Hinterstein regelmäßig der giftigen Kreuzotter und der ungiftigen Schlingnatter, eine Verwandte der Kreuzotter. Seitdem hat sich die Situation verändert: Die einstmals häufigen Reptilien-Arten stehen auf der «Roten Liste» der gefährdeten Tierarten. Dennoch gibt es gerade im Ostrachtal noch immer ein bayernweit bedeutendes Vorkommen.

Die artenreichen Trockenhänge um Hindelang bieten den geeigneten Lebensraum, wie die beiden Biologen Dr. Wolfgang Völkl und Siegmund Rohrmoser jüngst bei einem Vortrag in der Gemeinde darlegten. Die Einladung dazu kam von der Regierung von Schwaben, vom Landschaftspflegeverband Oberallgäu-Kempten und von der Gemeindeverwaltung. Völkl und Rohrmoser hatten im Auftrag der Bezirksregierung den Bestand von Kreuzotter und Schlingnatter untersucht. Zusätzlich erarbeiteten sie ein Bündel von Maßnahmen, damit das Reptilien-Vorkommen als Teil der heimischen Tierwelt erhalten bleibt.

Kreuzotter und Schlingnatter sind typisch für offene Mager- und Trockenstandorte, von deren Schutz weitere seltene Tierarten profitieren, etwa Tagfalter und Heuschrecken wie die rotflügelige Schnarrschrecke und der Storchschnabel-Bläuling. Auch seltene Pflanzenarten wie die Herbst-Drehwurz aus der Orchideen-Familie sind noch rund um Bad Hindelang zu finden. Die einstmals starke Population der Kreuzotter ist verschwunden. Ihre Rückzugsgebiete im Oberallgäu konzentrieren sich auf die Hanglagen. Mit viel Glück ist sie entlang von Wanderwegen zu beobachten. Dort jagt die Kreuzotter nach Mäusen, Eidechsen und Salamandern. Die ungiftige Schlingnatter ist ebenfalls im Ostrachtal verbreitet. Diese Schlange bewohnt die warmen und offenen Südhanglagen zwischen Gailenberg und Hinterstein, wo sie sich von Eidechsen und Blindschleichen ernährt.

Wurden Ottern und Nattern bis in die Nachkriegszeit stark verfolgt, so stehen diese Reptilien wie auch die anderen heimischen Schlangen und Eidechsen mittlerweile unter strengem Schutz. Sie dürfen auf keinen Fall getötet werden. Aber auch ein Fang der Tiere ist untersagt. Kreuzotter und Schlingnatter leiden unter dem Verlust von Stein- und Totholz-Haufen, die als Verstecke dienen. Deshalb will der Landschaftspflegeverband zusammen mit der Gemeinde, den Wald- und Weidegenossenschaften sowie der Unteren Naturschutzbehörde die verbliebenen Lebensräume im Ostrachtal optimieren.

Hinweise: Wer einmal Kreuzottern und Schlingnattern, aber auch andere Schlangenarten in der freien Natur beobachtet, kann dies gern dem Landschaftspflegeverband (Stefan Pscherer, Telefon 08321/612-412) melden.

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