Nächstes Mal heißt es: zahlen

Marktoberdorf (af). 'Und, warum haben wir dich angehalten?' 'Ja ich weiß, das Licht.' Der Bub war einsichtig. So wie im Grunde alle. Trotzdem wussten die Polizeibeamten gar nicht, wohin sie so schnell an diesem Morgen springen sollten, um die 'Verkehrssünder' anzuhalten. Deutlich mehr als die Hälfte war unbeleuchtet auf dem Rad zum Marktoberdorfer Schulzentrum unterwegs. Diesmal ließ es die Polizei bei Ermahnungen, beim nächsten Mal wird ein Verwarnungsgeld fällig, das bis zu 10 Euro betragen kann.

Es war noch dunkel, als sich Beamte der Polizei auf den Weg zu den Kontrollpunkten im Stadtgebiet machten. An der Hauptrouten zu den Schulen am Mühlsteig hatten sie Posten bezogen. 'Wir hören immer wieder berechtigte Klagen, dass sich junge und alte Radfahrer unvernünftig verhalten. Deshalb müssen wir etwas tun', begründet Verkehrssachbearbeiter Klaus Wobst die Aktion. Er selbst bezog gemeinsam mit Ewald Plundrich und Georg Keppeler am Bahnhof Stellung.

Erst auf die humorvolle Art

'Noch ist es ruhig', sagt Wobst und blickt auf die Uhr: 20 Minuten nach sieben. Schon Augenblicke später rollen die ersten Schüler auf die Polizisten zu. Im Pulk - und unbeleuchtet. Eine Ausnahme stellt dar, wer an diesem Vormittag mit Licht unterwegs ist. Der Gruppe ruft Georg Keppeler zu: 'Na, ist heute Ausflug des Vereins ,Rad fahren ohne Licht'?' Er und seine Kollegen versuchen es auf die humorvolle Art. Bei dem einen ist die Birne defekt, beim anderen die Batterie vom Stecklicht, das er sonst immer mit dabei hat, leer, und der nächste hat einen sehr spartanisch ausgerüsteten Drahtesel: keine Lampen, keine Reflektoren, einfach nichts - außer den Einrichtungen, die nötig sind, um das Rad vorwärts zu bewegen.

Zitat

Die Beleuchtungsmängel haben einen solchen Umfang erreicht, dass sie nicht mehr tolerierbar sind.}

Klaus Wobst, Verkehrssachbearbeiter bei der Polizeiinspektion Marktoberdorf

Am schlagfertigsten war ein junger Steppke. Auf die Frage, warum er denn in seinem Alter noch auf dem Bürgersteig Rad fährt, was das Gesetz doch nur Kindern bis zu zehn Jahren erlaube, antwortete er: 'Das Licht an meinem Fahrrad ist doch kaputt.' 'Denk doch mal an dich', sagt der Beamte einem der Angehaltenen: 'Wenn dich der Autofahrer erwischt, tut ihm das nicht weh. Aber du liegst mit gebrochenen Armen und Beinen ein paar Wochen im Krankenhaus.' Der junge Mann senkt den Kopf: 'Ja, stimmt schon.'

Die Polizisten sind konsequent: 'Absteigen und schieben.' Wiederwillig fügen sich die Schüler dieser Aufforderung. 'Natürlich stinkt mir das', grantelt ein 15-Jähriger, der nun vor den anderen blamiert ist. Vielleicht eine heilsame Lehre, hoffen die Polizisten. Aber Drohungen, so wissen sie, bringen nicht viel. Die Ermahnung folgt: 'Hütet euch, wieder aufs Rad zu steigen. Da vorn stehen noch mehr Kollegen von. Und beim nächsten Mal kostet es Geld.'

'Autofahrer vorbildlich'

Als es heller wird, die Schule begonnen hat und kein Radfahrer mehr in Sicht ist, zieht Wobst Bilanz: 'Deutlich über 50 Prozent der Schüler war unbeleuchtet unterwegs, entweder weil das Licht defekt oder überhaupt nicht vorhanden war.' An den anderen Kontrollstellen fallen die Zahlen ähnlich frustrierend für die Beamten aus. Hinzu komme, dass Erwachsene keine Ausnahme bildeten, sondern mit einem ähnlich hohen Prozentsatz an den Vergehen beteiligt waren.

Die morgendliche Situation gerade am Bahnhof bestärkt Wobst in seiner Auffassung, dass ein kombinierter Geh- und Radweg an dieser Stelle nötiger denn je ist. Aber der soll im Zuge der Umgestaltung des Bahnhofsgeländes bekanntlich gebaut werden.

Die Polizei setzt auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Schulen (Wobst: 'Unser Appell ist für den nächsten Elternbrief vorgesehen.') und mit den Eltern. Der Morgen bestätigte aber auch, was die Polizei seit langem beobachtet: 'Die Autofahrer sind vorbildlich. Sie passen sich dem starken Radverkehr an. Deswegen passiert da auch so selten etwas.'

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