Renaturierung
Nacktbader müssen Moorinsel am Eschacher Weiher verlassen

Karin Kipfer wirkt sichtlich bedrückt, als sie ihren eigenen weiträumigen Liegeplatz vorstellt. Für drei Familien stehen hier ein Grill, eine Sitzgarnitur und Liegen bereit. Hier auf der Moorinsel im Eschacher Weiher, auf dem seit Jahrzehnten der FKK-Verein 'Bund Alpenland' eine Heimat hat.

Erst vergangenes Jahr hat sie auf dem Weg zum Wassereinstieg die Holzdielen durch Steine ersetzt. 'Das Holz war wie Schmierseife. Jetzt ist’s besser.' Immer noch tüftelt Kipfer an Verbesserungen auf der Moorinsel im Eschacher Weiher, an dem Platz, den sie bereits seit über 40 Jahren hat. In vier Jahren ist allerdings alles zu Ende. Dann bekommt die Natur die Insel zurück. So will es der neue Inhaber des Geländes, der Zweckverband 'Erholungsgebiete Kempten und Oberallgäu'.

Damit ist der Verein mit seiner jahrzehntelangen Tradition am Ende. Kipfer wirkt, als wolle sie sich darüber nicht lange aufregen. 'Seit mehr als zehn Jahren wissen wir, dass dieser Moment irgendwann kommen wird. Jetzt haben wir Gewissheit.' Die 71-Jährige ist Schriftführerin des Vereins 'Bund Alpenland'. Bereits an die jüngsten Pachtverlängerungen waren Auflagen gebunden. Denn auf der bewaldeten Moorinsel versteckt sich viel mehr als nur eine FKK-Liegewiese. Es gibt eine Schutzhütte, die meisten Wege sind aus Holz. Nahezu jedes Vereinsmitglied hat sich sein eigenes kleines Plätzchen gebaut.

Seit einiger Zeit läuft bereits stufenweise der Rückbau. An einigen Plätzen lässt sich nur noch an den Holzspänen am Boden erahnen, was dort stand. Erst vor wenigen Wochen mussten tonnenweisen Altholz weggetragen werden. Ein großer Volleyballplatz wurde schon vor längerer Zeit zurückgebaut. Auch einige Privatplätze fehlen bereits.

'Sehen Sie hier irgendwo Müll?', fragt Karin Kipfer. 'Jeder nimmt hier seinen Dreck wieder mit, das war schon immer so.' Auch habe man eigens eine Toilette gebaut.

Eine Wollblumenwiese, die in der Nähe des Zugangs zur Insel liegt, habe noch nie jemand betreten. Wieso es noch mehr Renaturierung braucht, versteht hier kaum jemand. Die Idee des Zweckverbandes, als Ersatz für das verschwindende FKK-Gelände im nördlichen Bereich eine 'gemischte' Wiese anzubieten (für Badegäste mit Badekleidung und ohne), ist hier nicht einmal ein müdes Lächeln wert. 'Es geht nicht nur ums Nacktbaden, es ist die Ruhe und die Abgeschiedenheit, die diesen Ort so einzigartig machen', sagt Kipfer. 'Da drüben', meint sie, 'wird kaum einer von uns baden gehen.'

Das Ende des Vereins? 'Klar. Wozu brauchen wir den dann denn noch?' Mittlerweile ist die Mitgliederzahl des Vereins stark gesunken. 55 'Einheiten' habe man derzeit. Einheiten, das sind entweder Familien, Paare oder Singles. Zu Hochzeiten vor vielen Jahren seien es einmal 180 gewesen - 'das waren mehr als 300 Leute. Wir hatten sogar einmal ein Schild, das auf Überfüllung hinwies. Das haben wir wirklich gebraucht.'

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