Special Prozesse im Allgäu SPECIAL

Prozess
Nachtportier in Hotel in Kempten mit Waffen bedroht

Die Tat liegt bald eineinhalb Jahre zurück. Die Beute der bewaffneten Räuber war damals gering: 450 Euro sowie ein Telefon. Es fiel kein Schuss, es gab keine Verletzten – und doch hat der Überfall auf ein Kemptener Hotel im Juni 2010 ein Opfer, das bis heute unter den Folgen leidet: Der in der Tatnacht diensthabende Portier. Er ist noch immer schwer traumatisiert. Die Staatsanwaltschaft wirft einem 29-Jährigen sowie einem 23 Jahre alten Mann vor, für den Überfall auf das Hotel verantwortlich zu sein. Die beiden müssen sich seit gestern wegen schweren Raubes vor dem Landgericht Kempten verantworten. Während der Ältere keine Angaben machte, legte der jüngere Angeklagte ein Geständnis ab.

Demnach hatten der 23-Jährige sowie ein weiterer Täter maskiert und mit Schreckschusspistolen bewaffnet das Hotel gegen 3.40 Uhr betreten. Sie gingen zur Rezeption und bedrohten den Nachtportier mit vorgehaltenen Waffen. Während sein Komplize hinter dem Tresen die Geldschublade leerte, hielt der 23-Jährige weiter die Pistole auf den Portier gerichtet. 'Wenn du nicht ruhig bleibst, macht es bumm', drohte er. Damit der Mann nicht per Telefon um Hilfe rufen konnte, entwendete der Angeklagte auch ein Telefon.

Der Portier musste sich flach auf den Boden legen. Mit 450 Euro Bargeld flüchteten die Täter.

Mit dem Geld aus dem Überfall kaufte sich der Angeklagte Heroin. 'Ich war damals immer auf der Suche, um mir irgendwie Geld für den nächsten Schuss zu besorgen', sagte der 23-Jährige, der seit seinem 16. Lebensjahr Drogen genommen hat.

Das Geld, das er als Gebäudereiniger verdiente, reicht für die Finanzierung seiner Sucht nicht aus. Und so besorgte er sich Geld durch Einbrüche, Diebstähle und Betrügereien. 'Es war reine Beschaffungskriminalität', sagte er. Der 23-Jährige will nun durch eine Therapie von den Drogen wegkommen. Seine Tat bereue er, sagte er und entschuldigte sich bei dem Opfer der Tatnacht.

Der Nachtportier hatte unmittelbar nach dem Überfall seine Stelle in Kempten aufgegeben. Er zog in eine andere Stadt, weg aus dem Allgäu. Eine Nachtschicht hat er seither nicht mehr übernommen. 'Das geht nicht mehr', sagte der Mann. Er leide noch immer unter Albträumen und Panikattacken. Auch eine Therapie habe er schon absolviert.

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