Regens-wagner Nachgefragt
Nachgefragt: Simone Kögl, Förderstettenleiterin bei Regens-Wagner in Holzhausen

Im Gasthaus Hirsch in Lindenberg findet schon seit vielen Jahren jeden ersten Sonntag im Monat ein Kaffeekränzchen statt. Seit etwa drei Monaten organisieren das Magnusheim und 'Hirsch'-Besitzer Thomas Klaus die Veranstaltung gemeinsam. Die Behinderten beteiligen sich am Kuchenbacken und am Gelingen des Nachmittags, wählen beispielsweise die Musik aus. 'Die Veranstaltung steht jetzt ganz im Zeichen der Inklusion', freut sich Klaus. Die BZ hat sich vor dem nächsten Termin am kommenden Sonntag, 7. Oktober, (Beginn 15 Uhr) mit der Leiterin der Förderstätte des Magnusheims, Simone Kögl (33), unterhalten.

Sie leiten bei Regens-Wagner die Förderstätte. Was muss man sich darunter vorstellen?

Kögl: Die Förderstätte ist der zweite Lebensbereich für Menschen mit schwerer Behinderung, die nicht in der Lage sind, in den Magnus-Werkstätten einer Beschäftigung nachzugehen. Der Tagesablauf ist freier gestaltet als in den Werkstätten. Kleine Arbeitssequenzen gibt es bei uns aber auch. Nur einen ganzen Tag in der Werkstatt können die Menschen oft nicht durchhalten.

Wie entstand die Idee, in Lindenberg gemeinsam mit dem 'Hirschen' dieses Projekt zu starten und wie läuft es genau ab?

Kögl: Eine Mitarbeiterin von uns und Besitzer Thomas Klaus, der sehr kooperativ ist, haben das Projekt gestartet. Für die Menschen mit Behinderung geht es los mit dem gemeinsamen Einkauf der Zutaten für die Kuchen. Danach werden sie beim Backen mit eingebunden. Wichtig ist, dass am Ende ein Ergebnis zu sehen ist.

Die Menschen können durch das Projekt hinaus angemessene und sinnerfüllte Tätigkeiten ausüben, hier werden ihre vorhandenen Fähigkeiten gefördert, zum Beispiel Sprache, Merkfähigkeit, lebenspraktische und soziale Fähigkeiten. Sie kommen ungezwungen mit Menschen außerhalb der Einrichtung zusammen.

Wie viele Leute nehmen daran teil?

Kögl: In der Förderstätte betreuen wir derzeit in neun Gruppen 64 Menschen mit Behinderung. An der Aktion nehmen drei Gruppen, also etwa 20 von ihnen Teil.

Welche Resonanz gibt es von Besuchern des 'Hirschen' auf die Idee?

Kögl: Es wird insgesamt gut angenommen. Ein Problem stellt oftmals die Unwissenheit dar. Viele haben klassische Berührungsängste bei Menschen mit Behinderung, die zunächst abgebaut werden müssen. Sie überlegen, ob sie nicht das Erfüllen können, was der Behinderte von ihnen erwartet. Diese Leute können durch das Projekt erste Erfahrungen sammeln und müssen dafür nicht zu uns in die Einrichtung kommen.

Gibt es Ideen für ähnliche Projekte?

Kögl: Wir haben einige Ideen im Kopf und planen es auszuweiten. Auch freuen wir uns über Angebote, die an uns gerichtet werden. Thomas Klaus vom 'Hirschen' war sehr aufgeschlossen.

Bei dem Projekt ist die Rede von einer Inklusionsgeschichte. Was bedeutet Inklusion genau?

Kögl: Der Behindertenbegriff hat sich verändert. Das Schlagwort trat 2009 durch die UN-Konvention in Kraft. Am einfachsten kann man es mit Teilhabe ausdrücken. Gleichheit und Vielfalt stehen im Mittelpunkt, nicht Andersartigkeit. Der Weg, den wir dafür gehen müssen, ist aber noch ein sehr langer.

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