Polizeieinsatz
Nach Schießerei im Zug: Ein Täter noch im Koma – er wurde von Kugel getroffen

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Auch drei Tage nach dem folgenschweren Schusswechsel im Regionalzug von München nach Kempten ist der genaue Hergang des Vorfalls nicht geklärt. 'Derzeit wird ein Gutachten über die exakte Schussfolge erstellt.

Vorher können wir keine genauen Angaben machen", erläutert Thomas Baumann von der Pressestelle des Polizeipräsidiums München.

Bei der Schießerei im Anschluss an eine Routine-Kontrolle waren drei Beteiligte schwer verletzt worden. Einer der beiden mutmaßlichen Auslöser der Schießerei, ein per Haftbefehl gesuchter 20-jähriger Russe, war später nahe Günzach (Ostallgäu) aus dem fahrenden Zug gesprungen. Er erlitt dabei tödliche Verletzungen.

Der zweite Mann, ein in Augsburg gemeldeter Deutscher (44) mit kasachischer Herkunft, sprang ebenfalls bei Tempo 100 aus dem Waggon und prallte mit voller Wucht aufs Schotterbett. Er überlebte schwer verletzt und liegt nach einer Notoperation weiter im Koma. Er war vor dem Sprung von Polizeikugeln offenbar an Arm und Fuß getroffen worden.

Warum der 44-jährige Deutsche zusammen mit dem 20-jährigen Russen nach der Kontrolle durch zwei Bundespolizisten das Feuer eröffnet hatte, ist nach wie vor unklar. Beide saßen allein in einem Sechserabteil des Alex. Ohne Vorwarnung hatten die beiden Täter die Beamten erst mit Schreckschusspistolen bedroht. Dann verletzten sie einen Bundespolizisten mit mehreren heftigen Schlägen auf den Kopf und entrissen ihm die Dienstwaffe. Auf den zweiten Beamten gaben sie mehrere Schüsse auf Oberschenkel und Oberkörper ab. Eine schusssichere Weste verhinderte jedoch, dass der Polizist dabei eine tödliche Verletzung erlitt.

An dem Gefecht im Zug war auch ein Beamter des Landeskriminalamtes beteiligt, der zufällig im hinteren Bereich des Alex saß. Er war vom Zugbegleiter auf die außer Kontrolle geratene Situation im vorderen Zugteil aufmerksam gemacht worden und eilte den Polizisten zur Hilfe. Er sorgte dafür, dass die Passagiere nach hinten in den Zug gingen. Und machte sich dann mit dem am Kopf verletzten Kollegen auf nach vorn, um die Täter zu stellen.

"Dann kam es zu einem zweiten Schusswechsel", so der Polizeisprecher. Dabei wurde der 44-jährige Täter mindestens einmal getroffen, wobei laut Baumann unklar ist, aus welcher Waffe dieser Treffer stammt. Dann öffneten die Täter die zwei Türen des Zuges und sprangen heraus. "Einer links und einer rechts", so der Polizeisprecher.

Der 20-Jährige wurde durch den Aufprall auf die Gleise zurückgeworfen und überrollt. Er blieb schließlich auf dem Gegengleis liegen. Laut Obduktion wurde der Mann nicht von einer Kugel getroffen. "Dem 44-Jährigen wurden durch den Sturz die Zähne eingedrückt, zudem erlitt er innere Verletzungen", erläutert Polizeisprecher Baumann. Aussagen, nach denen beide mutmaßlichen Täter als gewaltbereit bekannt waren, wollte die Polizei gestern nicht bestätigen.

350 bis 400 Fahrgäste waren laut Polizei in dem voll besetzten Zug unterwegs. Fünf von ihnen waren bei einem Nothalt auf freier Strecke - ausgelöst durch die gewaltsame Türöffnung - in Panik ausgestiegen. Die übrigen Insassen blieben bis Kempten im Zug. Weshalb die zahlreich eingesetzten Polizeikräfte dort offenbar erst einige Minuten nach Ankunft des Zuges am Bahnsteig präsent waren, ist derzeit nicht bekannt. Auch die Frage, ob sich die Beamten der in Kempten stationierten Bundespolizei an dem Einsatz beteiligten, ist noch offen. Die Polizei bittet alle Insassen des Zuges, die Angaben zu dem Vorfall machen können, sich umgehend zu melden.

<a href='http://www.all-in.de/1571660'>Den Live-Ticker vom vergangenen Freitag finden Sie hier.</a>

Mehr zu der Schießerei im Zug zwischen Kaufbeuren und Kempten erfahren Sie in der Allgäuer Zeitung vom 25.03.2014 (Seite 15).

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