Allgäu
Nach Ladenschluss im Kaufmarkt

Die Allgäuer Zeitung beleuchtet in einer Serie das Leben in Marktoberdorf und Umgebung rund um die Uhr - täglich für eine Stunde. Am Freitag haben wir den Marktoberdorfer Kaufmarkt zu ungewohnter Stunde besucht: von 20 bis 21 Uhr.

Marktoberdorf «So, noch das Geschenkpapier, das macht insgesamt dann bitte drei Euro, 41 Cent.» Nochmal rattert die Kasse und druckt für heute den letzten Kassenbon. «Vielen Dank und einen schönen Abend.» Müde reibt sich die Kassiererin das Gesicht. Mit Pausen sitzt sie seit 9 Uhr morgens hier. Jetzt ist es 20.04 Uhr. Knapp 3000 Kunden haben am heutigen Freitag, dem üblicherweise stärksten Tag der Woche, die Kassen des Marktoberdorfer Kaufmarktes passiert. Gerade hat die letzte Kundin den Laden verlassen.

Doch auch wenn der Kaufmarkt für heute schließt, Feierabend haben die Mitarbeiter noch lange nicht. Morgen beginnt ein neuer Tag, bis dahin muss die Verkaufsfläche von rund 3000 Quadratmetern wieder einsatzbereit sein. Vom Bäcker über Wurstverkäufer bis hin zum Azubi - rund zehn Personen packen jeden Abend an, damit der Kaufmarkt am nächsten Morgen pünktlich seine Türen öffnet.

Überall werden Kisten beladen, Rollcontainer geschoben, Waren verräumt. Aus den Lautsprechern ertönt noch immer fröhliche Einkaufsmusik.

Über Nacht ins Kühlhaus

Gleich neben der Kasse ist im «Backshop» ein Rascheln zu hören. Hier werden Regale geräumt und übrig gebliebene Backwaren in Kisten umgefüllt. Während frische Waren wie Brezen und Semmel jeden Abend zurück an die Landbäckerei in Durach gehen, verschwindet das länger haltbare Gebäck über Nacht in großen Kühlhäusern. Auch an der Obst- und Gemüsetheke sind erste Lücken zu entdecken. Hier stapelt der junge Azubi Güven Hazar gerade Kühlartikel wie Trauben, Lauch oder Salat auf einen Rollwagen, um sie über Nacht ins Kühlhaus zu bringen. Und auch an der Wurst- und Fleischtheke wird fleißig geputzt, abgedeckt und ausgeräumt.

Allmählich erhält der gesamte Verkaufsraum ein neues Gesicht: Auslagen leeren sich, Tiefkühltruhen mit Pizza und Eis werden von Hand mit Planen abgedeckt, Kühlschränke verschwinden hinter automatischen Rollos. Auch das äußere Erscheinungsbild des Marktes verändert sich: Stühle vor dem Eingang werden angekettet, Blumen hereingefahren. An allen Ecken wird auf Nachtbetrieb umgestellt.

Mittlerweile ist es kurz vor halb neun. Im Kassenbüro herrscht noch immer hektisches Treiben. Drei Kassiererinnen murmeln leise vor sich hin. Der Geldbestand muss nachgezählt, das in der Früh entnommene Wechselgeld in den Tresor zurückgelegt, die Kassen auf den Anfangsbestand für den nächsten Morgen gebracht werden. Im Verkaufsraum wird es hingegen allmählich ruhiger. Die ersten Mitarbeiter sind auf dem Weg nach Hause, Filialleiter Stephan Dürr überprüft auf einem letzten Kontrollgang, ob tatsächlich nichts vergessen wurde.

Mittlerweile ist auch aus den Lautsprechern keine Musik mehr zu hören. Es ist 20.46 Uhr, alle Aufgaben sind erledigt. Hausmeister Holtzhausen kontrolliert nochmal, ob Türen und Fenster verschlossen sind und löscht das Licht. Der Verkaufsraum wird in ein schummriges Dunkel getaucht, nur die Notbeleuchtung weist den Weg zum Ausgang. Holtzhausen aktiviert die Alarmanlage und die letzten Angestellten verlassen, aus Sicherheitsgründen gemeinsam, den Laden. Die Tür fällt ins Schloss, im Kaufmarkt kehrt Ruhe ein - doch nur für ein paar Stunden. Denn schon morgen früh öffnen sich erneut die Türen.

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