Gericht
Nach Kündigung der Tochter droht Vater dem Ex-Chef mit dem Tod

Chef einer Zeitarbeitsfirma schasst seine Prokuristin – junge Frau wendet sich verzweifelt an ihre Eltern – aufgebrachter Vater bedroht Ex-Chef am Telefon mit dem Tod. Was wie die Vorlage einer Räuberpistole a la Seifenoper klingt, landete in Kempten vor dem Amtsgericht.

Dort förderte Amtsrichter Hans-Peter Schlosser viel Menschliches einer ungewöhnlichen Dreiecksgeschichte zutage und stellte am Ende das Verfahren gegen den aufbrausenden Vater der früheren Prokuristin gegen Geldauflage ein.

'Das kann sich überhaupt keiner vorstellen, wie das damals war', erinnerte sich der 58-jährige Angeklagte an jenen Tag Ende April. Völlig aufgelöst habe seine Tochter zu Hause angerufen, als ihr von heute auf morgen fristlos gekündigt worden sei: 'Sie sagte, dass sie aus Fenster springen wird. Da habe ich zuerst jemand angerufen, der sich um sie kümmern konnte – und dann in ihrer Firma', erklärte der Schlossermeister.

Um zum Chef durchgestellt zu werden, meldete er sich mit 'Kripo Kempten'. 'Und was haben Sie dann gesagt, nachdem Sie durchgestellt worden waren?', wollte Richter Schlosser wissen. Nun – in 'sachlicher Ruhe' habe er nicht gerade mit dem Ex-Chef seiner Tochter gesprochen, räumte der Angeklagte ein.

'Ich sagte: Wenn meiner Tochter etwas passiert, sei er tot.' Finanzielle Hintergedanken habe er dabei nicht gehabt.

Genau das stand zunächst im Raum – weshalb die Anklage anfangs auf versuchte räuberische Erpressung lautete. Durch seine Drohungen habe er versucht, den Firmenchef zur Zahlung einer Abfindung an seine Tochter zu zwingen, so die Anklageschrift.

Das sei aber 'keine Sekunde' so gewesen, widersprach der Angeklagte – und fand nicht nur beim Richter, sondern auch bei der Staatsanwältin Gehör. Tatsächlich muss die Zeitarbeitsfirma nach einem Vergleich vor dem Arbeitsgericht ohnehin 20 000 Euro an die frühere Prokuristin zahlen und ihr ein positives Arbeitszeugnis ausstellen.

'Dieser Vergleich zeigt, dass die Kündigung nicht ganz mit rechten Dingen zugegangen ist', kommentierte Richter Schlosser und ging ansonsten nicht weiter auf die Gründe der Kündigung nach viereinhalb Jahren Beschäftigungsverhältnis ein.

Da die frühere Prokuristin – anders als mehrere aktuelle Mitarbeiter der Firma – nicht als Zeugin geladen war, verfolgte sie den Prozess gegen ihren Vater vom Zuhörerraum aus. Und musste – nach einem Zwischenruf bei der Aussage ihres Ex-Chefs hinein – ermahnt werden, dass ein Zuhörerraum 'eben nur zum Zuhören da ist und nicht zum Reinquatschen'.

Ihr Vater schlug kurz darauf die Hand aus, die ihm der Firmenchef entgegenstreckte: 'Sie haben meiner Tochter so viel Schaden zugefügt, Ihnen gebe ich nicht die Hand.' 'Er neigt zur Überreaktion', stellte Richter Schlosser fest. Ein wenig müsse man ihn jedoch verstehen – als einen Vater, der sich um die Tochter gesorgt habe.

Gegen Zahlung von 600 Euro wurde das Verfahren eingestellt.

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