Nach Foul mit der Kasse vom Gericht abgestraft

Von Brigitte Horn Oberallgäu Weil er seine Sportkameraden ziemlich übel 'gefoult' hat, handelte sich ein Familienvater jetzt vor dem Amtsgericht Sonthofen einen dicken Fleck auf seiner bislang blütenweißen Weste ein: Statt mit ihren Mitgliedsbeiträgen wie vereinbart fällige Hallen-Rechnungen zu bezahlen, 'verwurschtelte' der 54-Jährige einen Teil des Geldes in seinem Privathaushalt. Für dieses gänzlich unsportliche Verhalten wurde der Pensionär jetzt von Richterin Brigitte Gramatte-Dresse kräftig abgestraft - mit sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung.

Knapp zwei Dutzend Eltern hatten sich vor ein paar Jahren zu einem losen Zusammenschluss verbunden, um nicht nur ihren Kindern beim sportlichen Spiel zuzuschauen, sondern auch selbst aktiv zu werden. Alle ein oder zwei Wochen buchten sie eine Halle und trafen sich dort zum gemeinsamen Training. Und damit die Miete regelmäßig beglichen werden konnte, zahlte jeder zwölf Euro pro Monat in die 'Vereinskasse'.

Mitspieler mit genügend Freizeit

Deren Führung vertraute der sportliche Eltern-Club vor einiger Zeit einem Mitspieler mit genügend Freizeit an - dem 54-jährigen 'Versorgungsgeldempfänger', wie sich der pensionierte Soldat selbst bezeichnete. Doch dessen Umgang mit den fremden Geldern war einigermaßen dubios: Ein eigenes Girokonto für den Sportclub sei nicht möglich gewesen, so erklärte er vor Gericht, 'weil wir ja in dem Sinne keine Satzung hatten'. Deshalb habe er die Mitgliedsbeiträge, von denen er einige auch bar kassierte, auf einem alten Sparbuch von sich selbst deponiert - 'das war die einfachste Sache, die ich damals aus dem Boden stampfen konnte.'

Weil er aber von diesem Sparbuch aus die Hallen-Rechnungen nicht direkt überweisen konnte, habe er fällige Beträge von seinem eigenen Girokonto beglichen und sich das Geld dann wieder vom Sparbuch geholt.

Er könne jedoch 'nicht nachvollziehen, was da schief gelaufen ist', beteuerte der Familienvater zum unrühmlichen Ende seiner Kassierer-Tätigkeit. Denn eines Tages standen seine gutgläubigen Sportkameraden nicht nur mit rund 2400 Euro nicht bezahlten Rechnungen da, sondern es fehlten auch 1800 Euro an Mitgliedsbeiträgen, erläuterte ein Zeuge.

Er habe 'gravierende Fehler gemacht', weil er bei der Buchführung 'schlampig gearbeitet' hat, räumte der Angeklagte ein. Möglicherweise habe er das Geld 'vermischt und vielleicht für private Zwecke verwendet' - 'aber nicht mit voller Absicht und krimineller Energie', versicherte der 54-Jährige. Denn: 'Das war nicht von mir gewollt'. Auf die Frage, warum er dann nicht wenigstens, als die ganze Sache aufflog, die offenen Rechnungen bezahlt hat, kam die lakonische Antwort: 'Weil ich das Geld nicht hatte.'

Während der Staatsanwalt diese Fälle der Untreue mit 4600 Euro Geldstrafe geahndet sehen wollte und der Verteidiger auf 3600 Euro plädierte, befand die Richterin, dass 'dieses Delikt in dieser Konstellation einer Freiheitsstrafe bedarf'. Schließlich sei das Verhalten des Angeklagten, auf den sich seine Sportfreunde verlassen haben, 'schon relativ verwerflich'.

Weil die sechs Monate Freiheitsentzug aber zur Bewährung ausgesetzt werden, muss der Pensionär 'als eigentliche Strafe' 15 Tage gemeinnützige Arbeit ableisten. Außerdem verlangte die Richterin von dem 54-Jährigen, als Schadens-Wiedergutmachung 1800 Euro an die anderen, von ihm bitter enttäuschten Eltern zurückzuzahlen.

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