Marktoberdorf / Ronsberg
Nach den Fragen kommt nun der Pieks

Vorgestern hat der Marktoberdorfer Mediziner Dr. Markus Strieder den Impfstoff gegen die Schweinegrippe erhalten und ihn den ersten Patienten verabreicht. Er spricht von einem wachsenden Interesse, das sich aber mehr in der Zahl der Fragen als in der Zahl der Impfungen niederschlage.

Auch wenn der Krankheitsverlauf der Neuen Grippe oft dem einer schweren Erkältung ähnele, empfiehlt Dr. Strieder trotzdem den Gang zum Arzt. Dort könnten mögliche zusätzliche Risiken erkannt und behandelt werden. Zur Impfung rät er nur chronisch Kranken. Gesunden Menschen empfiehlt er Zurückhaltung: Zum einen weil die Schweinegrippe meist milde verlaufe und zum anderen weil es noch nicht ausreichend Erfahrungen mit den Nebenwirkungen des Impfstoffs gebe.

Zwei widerstandsfähige Gruppen fallen auf

Zwei Gruppen scheinen seiner Erfahrung nach der Schweinegrippe besonders gut widerstehen zu können: Leute, die sich Jahr für Jahr gegen Influenza impfen lassen, und Menschen über 50 Jahren. Bisher hatte er noch niemand von ihnen mit Schweinegrippe in der Praxis. Noch vor wenigen Wochen interessierte sich kaum jemand im mittleren Ostallgäu ernsthaft für eine Impfung gegen diesen speziellen Grippevirus.

Die Fälle in Deutschland, in denen Menschen gravierende gesundheitliche Probleme im Zusammenhang mit der Schweinegrippe erlebten, waren nur wenige. Und die Grippe war weit weg.

Seit sich der Virus auch im Allgäu verstärkt ausbreitet und am Marktoberdorfer Gymnasium die ersten bestätigten Fälle auftauchten, griff auch die Impfbereitschaft um sich.

In zwei Tagen zehn Impfwillige in der Praxis

Noch vor zwei Wochen gab es in der Praxis von Dr. Peter Seidel in Ronsberg kaum Anfragen. Nachdem er aus den Herbstferien zurückgekehrt war, hat er gleich am Montag eine Warteliste eingerichtet. Nach nur zwei Tagen waren die zehn Impfwilligen beisammen, die nötig sind, um eine Packung des Impfmittels aufzubrauchen. Die hat Seidel nun bestellt, aber sie ist gar nicht so leicht zu bekommen, wie er feststellen musste.

«Unser Kontingent haben wir schon verteilt», sagt Dagmar Wieder von der Apotheke St. Martin in Marktoberdorf. Nachschub ist unterwegs, läuft nun aber über nicht ausgeschöpfte Kontingente anderer Apotheken. Große Nachfrage ja, wirklicher Ansturm nein, so beurteilt Wieder den Umsatz mit dem Impfstoff.

Robert-Koch-Institut: Kaum noch «normale» Grippe

Das Robert-Koch-Institut meldete vor wenigen Tagen, dass die Schweinegrippe derzeit so dominant sei, dass daneben die traditionelle Grippe kaum auftrete. Wer also tatsächlich eine echte Grippe hat, der hat aller Wahrscheinlichkeit nach die Schweinegrippe.

Die meisten werden nie erfahren, welche Grippe genau es ist, die ihnen gerade zu schaffen macht. So ist das Labor, an das Dr. Seidel seine Proben schickt, wegen der vielen Fälle derzeit hoffnungslos überlastet und bittet darum, Analysen nur noch in dringenden Fällen anzufordern. Aber letztlich sei das auch egal, meint Mediziner Seidel. Schweinegrippe hin, normale Grippe her - die Behandlung sei ohnehin dieselbe.

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