Füssen
Musik wie im Markusdom

Etwa 200 Besucher in St. Mang zu Füssen durften sich beim Festival Musica Sacra International 400 Jahre zurückversetzen lassen in die Tradition des Markusdoms in Venedig. Sie konnten nachempfinden, wie die Musik der venezianischen Mehrchörigkeit in der Zeit der großen Komponisten Gabrieli, Orlando di Lasso und Heinrich Schütz geklungen haben mag. Im Zeichen der Landesausstellung «Bayern-Italien» hatten sich mit dem Vokal Ensemble München und dem Südtiroler Bläserensemble zwei Musikformationen zusammengefunden, die durch ihre Interpretationskunst geradezu prädestiniert waren, die kompositorischen Errungenschaften jener fruchtbaren Musikepoche in klangprächtigen Beispielen zu vermitteln.

Einen festlichen Eingang mit frühbarocker Klangentfaltung bereiteten die Bläser unter der umsichtigen Leitung von Valentin Resch in doppelchöriger Aufstellung mit Sätzen von Giovanni Gabrieli. Sie vermittelten repräsentative Bilder der venezianischen Gesellschaft, die es genoss, wenn diese Musik von den verschiedenen Emporen der weitläufigen Architektur des Markusdoms erklang. Sowohl der mit blitzsauberer Intonation vorgetragene Dialog der Trompeten und Posaunen im feinsten Piano als auch das mächtige gemeinsame Forte, das wie pfingstlicher Sturm über die Kirche hereinbrach, waren ein Ohrenschmaus.

Bei den Vokalbeiträgen war jedes Mitglied des 18-köpfigen Münchner Ensembles voll gefordert. Die 20-minütige Bearbeitung des Lutherliedes «Vater unser im Himmelreich» von Hans Leo Hassler mit ihren neun Strophen forderte die volle Aufmerksamkeit bei konsequenter kontrapunktiver Linienführung. Innerlichkeit und Frömmigkeit als tragendes Fundament kamen dabei voll zur Geltung.

Bewusster Gegenpol

Die bewegten, anfeuernden, schließlich auch fanfarenartig anschwellenden Stücke der Bläser mit Kompositionen von Scheidt, Speer und Bartolini waren in der Folge ein bewusster Gegenpol. Als plastisch geformte Motette, gestützt von der Theorbe im Continuo, erklang das dreichörige Werk von Heinrich Schütz «Ich hebe meine Augen auf».

Vielseitige figurative Möglichkeiten boten im Zusammenspiel von Chor und Bläsern der Psalm «Levavi oculos in montes» von Orlando di Lasso und die Antiphon «Hodie completi sunt» von Gabrieli. Sie brachten jedoch in beiden Stücken die Ausführenden «zum Stolpern», sodass jeweils neu begonnen werden musste. Ein entschiedeneres Dirigat von Martin Zöbeley wäre hier gefordert gewesen. Einen gekonnten Schlusspunkt setzten die Ausführenden mit dem jubilierenden Magnificat von Gabrieli und ließen die Patzer vergessen, wie der verdiente Beifall zeigte.

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