Buchloe
Musik mit vier Händen und Füßen

Das Spielen an Tasteninstrumenten mit mehr als einer Person - und demzufolge auch mehr als zwei Händen - hatte sich spätestens im 19. Jahrhundert im Rahmen der bürgerlichen Hausmusik durchgesetzt. Verständlicherweise wurden entsprechende Kompositionen und Bearbeitungen nicht nur für Klavier oder Harmonium, sondern auch für die Orgel geschrieben. Der Buchloer Kirchenmusiker Thorsten Schmehr und sein saarländischer Kollege Wolfgang Münchow präsentierten sieben mehr oder weniger ernste Werke dieser Art beim jüngsten Orgelkonzert in der Stadtpfarrkirche.

«Präludium und Fuge C-Dur» von Johann Georg Albrechtsberger begann mit einem kurzen, hell registrierten Vorspiel, dem eine Fuge mit engen Stimmeneinsätzen folgte. Die Lebensdaten des Komponisten sind nahezu identisch mit denen von Joseph Haydn; entsprechend klassizistisch-klar war auch die Tonsprache des gesamten Werks.

Aus fünf recht kurzen Sätzen bestand das «Divertimento Nr. 2» des Thüringers Johann Christian Heinrich Rinck (1780 bis 1846). Nach der einleitenden Choralbearbeitung «O Traurigkeit, o Herzeleid» schloss sich ein Satz im Charakter eines dramatischen Rezitativs an. Äußerst seriös trug Alexandra Schmehr einige biographische Informationen zum angeblich jüngsten (und untalentiertesten) Bach-Sohn «P.D.Q. Bach» vor.

Im Publikum merkte man jedenfalls noch nicht sofort, dass dieser vom amerikanischen Musikforscher Peter Schickele wiederentdeckte «Komponist» eines der genialsten Phantome der Musikgeschichte ist. Wie viele andere Stücke P.D.Qs steckt auch die im Konzert dargebotene «Toot Suite» voller Klischees und Anspielungen. Nach dem eher betulichen «Quartetto für zwei Personen und Pedal» von Johann Christoph Kellner folgte mit dem «Ländlichen Hochzeitsfest» des deutsch-schwedischen Komponisten Franz Berwald ein ausgedehntes, sehr gut nachvollziehbares Tongemälde.

Der Brite John Rutter (geb 1945) kann neben seinem Landsmann Andrew Lloyd Webber als erfolgreichster «ernster» Komponist der Gegenwart angesehen werden. Das «Prelude» aus der «Suite antique» klang durch seine synkopischen Einwürfe gelegentlich wie eine Pop-Ballade und war auch entsprechend harmonisiert.

Mit der c-Moll-Fantasie on Adolf Friedrich Hesse (1809 bis 1863) wurden die Möglichkeiten der Orgel noch einmal voll ausgereizt. Nach dem freundlichen Applaus spielten die beiden Organisten gleich zwei Zugaben auf einmal, darunter ein Chanson von Rutter, das nicht mit dem Grundakkord endete und somit für etwas zögerlichen Applaus sorgte. Joachim Buch

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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