Cabaret
Musical Cabaret am Landestheater Schwaben

Schon als Kind hat das funktioniert: Quälte einen die Realität der maßregelnden Eltern, schloss man die Augen und glitt hinüber in das Reich der Träume. Dort erschien alles heller, erfolgreicher, harmonischer.

Das Berlin der 30er Jahre: Viele Menschen flüchten sich am Abend in die Welt der unbeschwerten Träume. In Bars, in Kneipen, im Theater. Hochkonjunktur für eine wie Sally Bowles, die im 'Cabaret' regelmäßig singend und hüftschwingend auf der Bühne steht und den Männern vergnügliche Stunden bereitet.

Doch aus jedem Traum gibt es ein Erwachen. Manchmal ein böses, wie auch in jenem Musical 'Cabaret' von John Kander (Musik) und Fred Ebb (Text) nach dem Buch von Joe Masterhoff, das am Landestheater Schwaben in einer flotten Inszenierung von Astrid Kohlmeier Premiere feierte. Am Ende brechen Herz und Rückgrat vieler Menschen, weil sie mitgerissen werden von der braunen Flut des Nationalsozialismus.

Eine frische Ananas zur Umwerbung

Aus der Traum vom unbeschwerten Leben. Dabei ist sich Sally Bowles (Josephine Bönsch) sicher gewesen, endlich den richtigen Mann abseits der Glamourbühne gefunden zu haben – in dem Amerikaner Cliff Bradshaw (Matthias Wagner). Sie ist sogar bereit, die Rolle auf der Bühne mit der einer fürsorglichen Mutter zu tauschen.

Oder Fräulein Schneider (Anke Fonforek), die ältere Frau, die ein kleines Hotel hat. Plötzlich kommt er doch noch, der Moment, in dem ein Herr (Fridtjof Stolzenwald) ihr den Hof macht – auch in Form eines unglaublichen Geschenks, einer frischen Ananas. Glücksmomente im Berlin der 30er Jahre, die man nicht vergisst. Oder doch? Weil man sie einfach vergessen muss, um zu überleben?

Laufpass für den Juden Schneider

Herr Schultz ist zwar Fräulein Schneiders große Liebe. Aber er ist gleichzeitig Jude. Und als die Zeit voranschreitet und die Nazis marschieren, schließen viele die Augen. So wie als Kind bei Auseinandersetzungen mit der Realität. Fräulein Schneider gibt Herrn Schultz den Laufpass, obgleich es ihr 'schrecklich leid' tut. Die Wege von Cliff Bradshaw und Sally Bowles trennen sich ebenfalls, obgleich sie ein Kind von ihm erwartet. Er setzt sich in die USA ab.

Karges Bühnenbild für viel Atmosphäre

Einzelschicksale, die unter die Haut gehen, während die Welt in eine Katastrophe schlittert. Ein karges Bühnenbild genügt in Memmingen, um gleichwohl viel Atmosphäre zu erzeugen. Klein, aber fein ist das Ensemble im Orchestergraben unter Leitung von Ludger Nowak; gesanglich enorm präsent, zudem schauspielerisch ausdrucksstark: Josephine Bönsch ebenso wie Matthias Wagner, Nazischerge Ernst Ludwig (Matthias Tuzar) und Fridtjof Stolzenwald, der zudem als Sänger Ausrufezeichen setzt. Bei anderen jedoch bleiben gesanglich viele Wünsche offen.

Nächste Aufführungen in Mindelheim am 15. Oktober, in Pfronten am 25. Oktober und in Memmingen am 20. November sowie am 13. und 14. Dezember.

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