Mühelos und rein in die höchsten Höhen

Von Christoph Pfister | Röthenbach Die schlichte Turnhalle ein Musentempel, ein Chorkonzert Parade des Belcanto: Gemeinsam mit seinen Gästen, dem Tölzer Knabenchor, hat der Männerchor Röthenbach der Region einen kulturellen Höhepunkt beschert. Über 800 Gäste lauschten begeistert, als die jungen Talente und die gereiften Herren das schönste aller Instrumente, die menschliche Stimme, im Garten der Musik zum Blühen brachten.

'Laudate Pueri' - die Aufforderung zum Lobe Gottes an die Knaben hätte Felix Mendelssohn-Bartholdy nicht besser platzieren können: Wahrhaft strahlend, leuchtend frisch das berühmte Gotteslob aus Opus 39, von den Tölzern als Oberstimmenchor angelegt. Durchaus gewöhnungsbedürftig für den einen oder anderen Konzertgast, wenn es permanent in Höhen geht, die selbst manch weiblicher Sopran nicht in dieser Reinheit und Mühelosigkeit erreicht, wie die Elite der Nachwuchssänger. Eine makellose Referenz für den berühmten Chor, auch wenn der beständige Antrieb durch Ursula Richter die Klangbalance ab und an gefährdete.

Eine vorbildliche Vereinigung zwischen unbekümmertem Kindergesang und der hohen Satzkunst Carl Orffs in einem prickelnden Spannungsfeld machte dessen Tanzlieder zum besonderen Genuss. Schwebende Rhythmik in klarer Struktur, feine Gruppen in schier unendlichen Klangfarben, erstaunlich ausgeprägte Einzelstimmen mit wunderbarer, anrührender, dabei ungezwungener Koloratur, das sind die besonderen Qualitäten des Tölzer Knabenchors. Sie kommen intensiv zu den Herzen der Hörer, wenn die Buben im traditionellen Trachtengewand Volkslieder anstimmen. Warmherzig und doch brillant, wunderbar weich bei aller Kontur und Fröhlichkeit, herzlich bei aller Perfektion.

Da braucht es schon musikalischen Spaß, damit man Abschied nehmen kann von diesem Erlebnis. Peter Kurzemann kriegt das mit seinen Mannen bestens hin, mit einem gut getunten 'vollgeladenen Wagen', zwei gewitzten Hasen und einer fürwahr munteren 'Hochzeit der Frösche'. Zuvor schon hatte der allseits geschätzte Chor die heiteren Seiten angestimmt im Oktett, das Musical und Schlager aufpoliert hatte, ohne farbenmächtige Substanz und Stimmenkraft aufzugeben. Vom hohen Ensemblegeist und der intensiven Arbeit hatten anspruchsvolle Beiträge aus Oper ('Nessun dorma' mit subtilem Fernost-Kolorit), Kunstmusik (Schuberts 'Abendrot' beseelt, aber nicht romantisch befrachtet) und Volksmusik ('Bénia calastoria', wunderbar ausbalancierte, gewaltige Volumina) klangvolle wie beeindruckende Beispiele gegeben.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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