Gericht
Morddrohungen in «aufgeladener» Situation

Ein 20-jähriger Kaufbeurer erfuhr im Juni durch einen Anruf, dass sein jüngerer Bruder am Obstmarkt zusammengeschlagen worden war. Er machte sich sofort auf, um den mutmaßlichen Täter zur Rede zur stellen. Als er kurz darauf den Verdächtigen und eine weitere Person traf, beleidigte er sie und kündigte ihnen an, er werde sie «umbringen und totschlagen». Wenig später beschimpfte er zwei Polizisten unter anderem als «Bullenschweine». Der junge Mann, dessen Strafregister vier Voreintragungen enthält, musste sich jetzt wegen Bedrohung und Beleidigung vor dem Jugendschöffengericht verantworten.

Dass der junge Mann sich seinerzeit «böse daneben benommen hatte», räumte jetzt auch sein Verteidiger ein. Er verwies aber auch auf die «erheblich aufgeladene Stimmung» seines Mandanten und hielt eine Verwarnung und eine Geldauflage für ausreichend. Das Urteil lautete schließlich auf eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 15 Euro. Anders als der Verteidiger und der Staatsanwalt, die für die Anwendung des Jugendrechts plädiert hatten, entschied das Gericht auf eine Verurteilung nach Erwachsenen-Strafrecht. Der Vorsitzende verwies insbesondere darauf, dass der 20-Jährige eine anspruchsvolle Ausbildung gezielt in Angriff genommen hat und deshalb nicht einem Jugendlichen von unter 18 Jahren gleichgesetzt werden könne.

Der Angeklagte hatte in der Verhandlung geschildert, wie er damals während eines Kneipenbesuchs per Handy darüber informiert wurde, dass sein 17-jähriger Bruder am Rande einer öffentlichen Veranstaltung während der Fußball-Weltmeisterschaft zusammengeschlagen worden sei. Der Anrufer habe sogar von einem Atemstillstand gesprochen. Wie aus einem Attest hervorging, hatte der Jugendliche damals Prellungen im Gesicht und am Schädel sowie eine Gehirnerschütterung erlitten. Gegen den mutmaßlichen Angreifer läuft ebenfalls ein Verfahren.

Als der Richter den Angeklagten jetzt fragte, wie er rückblickend über sein Verhalten denke, sagte der junge Mann: «Natürlich war das nicht in Ordnung, aber mir sind halt die Emotionen durchgegangen.

» Dass dies offenbar ein grundsätzliches Problem darstellt, zeigte ein weiterer Vorfall: Drei Wochen nach seinem Ausraster am Obstmarkt hatte der Angeklagte einen Nachbarn beschimpft und, wie es jetzt der Staatsanwalt formulierte, «bis zum Geht-Nicht-Mehr provoziert». Der Mann hatte zunächst eine Anzeige erstattet, diese aber nach einem Täter-Opfer-Ausgleich und einer Entschädigung von 600 Euro zurückgenommen. Das Verfahren war daraufhin eingestellt worden. Für die Zukunft riet der Richter dem Angeklagten dringend, er solle «vorher mit dem Denken anfangen und nicht hinterher versuchen, sein Verhalten mit Entschuldigungen und Geldzahlungen wieder gut zu machen». (bbm)

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