Special Tänzelfest SPECIAL

Kaufbeuren
«Momente, die man nicht vergisst»

Dies ist eine Liebesgeschichte. Eine Geschichte über Menschen und ihre Verbundenheit zu ihrer Stadt. Über Tradition. Begeisterung. Über strahlende Kinderaugen und Erwachsene, die sich an ihre eigene Kindheit erinnern. Eine Geschichte über das Kaufbeurer Tänzelfest.

Zum Beispiel die Mommensohns. Es sind drei Generationen, die da am Küchentisch sitzen und in einem alten Fotoalbum blättern: Herbert und Ulrike, ihr Sohn Jörn (37) und Jonas, der gerade vier Jahre alt geworden ist. Im Album Tänzelfest-Bilder aus den Siebzigern. Jörn auf einem Biedermeier-Wagen, als Soldat und als Mitglied der Kaufbeurer Bürgerwehr. «Klar ist man unendlich stolz, wenn das eigene Kind beim Umzug mit dabei ist», sagt Ulrike Mommensohn. Rund 1600 Kindern ziehen dann an den beiden Tänzelfesthaupttagen in historischen Kostümen durch Kaufbeuren, spielen die Geschichte ihrer Stadt und erinnern an die Besuche von Kaiser Maximilian I. (1459 -1519) in seiner «viel lieben Stadt Kaufbeuren».

Die vielen Menschen, der Applaus

Es sind Momente, die im Gedächtnis eines jeden bleiben, der einmal selbst ein Kostüm getragen hat, sagen die Mommensohns. Der Einzug vor dem Rathaus, die vielen Menschen, der Applaus. «Das prägt einen, das vergisst man nicht», sagt Ulrike Mommensohn. Und: «Einmal Tänzelfestkind, immer Tänzelfestkind.» Die 59-Jährige konnte in ihrer Schulzeit nur einmal teilnehmen, als gotisches Blumenmädchen. Und es blieb in ihr eine ungestillte Sehnsucht, die sich erst Jahre später erfüllte. Als ihr 1994 angeboten wurde, beim historischen Lagerleben mitzumachen. «Die Chance habe ich ergriffen, denn ich wollte unbedingt noch einmal im Kostüm Teil des Festes sein.» Gemeinsam mit ihrem Mann blieb sie 13 Jahre bei der Kramerzunft.

Als «fünfte Jahreszeit» bezeichnen die Kaufbeurer die Tage des Tänzelfestes. «Es ist eine besondere Zeit mit einer besonderen Stimmung in der Stadt», sagt Jörn Mommensohn, der als Kind zehn Mal am Umzug teilnahm und seine «Tänzelfestkarriere» mit einem Auftritt als Ratsherr beendete. Weswegen es für einen echten Kaufbeurer selbstverständlich auch nicht angehe, in dieser Zeit in den Urlaub zu fahren, sagt er. So wie es früher seine Eltern taten, zeigt er jetzt seinem Sohn Jonas, was das Tänzelfest außer Umzug und Lagerleben noch ausmacht. Da sind die Zunfttänze und Reigen, das Adlerschießen, das Fahnenschwingen, das Markttreiben in der Innenstadt und der Große Zapfenstreich vor dem Rathaus mit dem «Buronlied». «Die Begeisterung für das Fest kommt durch das gemeinsame Erlebnis», sagt Mommensohn.

Samstagmittag, Markttreiben in der Innenstadt. Der vierjährige Jonas trägt ein historisches Kostüm. Kein richtiges Tänzelfestkostüm, aber fürs Dabeisein-Gefühl reicht es. Erst im nächsten Jahr wird der Kleine das erste Mal am Umzug teilnehmen. Dafür kennt er sich schon jetzt aus mit den Rittern, Trommlern und Feuerspuckern - und später einmal der Kaiser sein beim Tänzelfest, will er auch. Die Eltern lächeln. Und selbst wenn die «Tänzelfestkarriere» ihres Buben nicht ganz so steil verlaufen sollte, haben sie noch ein zweites Eisen im Feuer. Töchterchen Lea ist vier Wochen alt und somit eine Anwärterin auf den Titel «Tänzelfest-Kaiserin 2025.»

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen