Dettingen
Molkerei stellt nach über 100 Jahren Betrieb ein

Nach über 100 Jahren stellt die Molkereigenossenschaft Dettingen ihren Betrieb ein. Damit endet auch die Herstellung der Dettinger Käsespezialitäten. Der Grund ist ein Kostensenkungsprogramm der Allgäuland-Käsereien mit Hauptsitz in Wangen/Allgäu, die das Genossenschaftsgebäude in Dettingen gepachtet haben und die Käserei und den Käseladen betreiben.

«Wir schreiben in Dettingen Verluste», erläutert Geschäftsführer Marcel Mohsmann. Um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, werden nun die Betriebe in Augsburg, Tübingen und Dettingen geschlossen. Damit geht auch die lange Tradition der Molkereigenossenschaft Dettingen und die handwerkliche Käseherstellung zu Ende. «Seit 1906 besteht die Erzeugergemeinschaft und seit 1946 wird in Dettingen Käse hergestellt», berichtet Vitus Maier, der selbst seit knapp 25 Jahren die Käseproduktion in Dettingen leitet. In den 1950er Jahren waren es noch knapp 90 Bauern, die täglich ihre Milch anlieferten. In der Blütezeit, Anfang der 1980er Jahre, lieferten rund 40 Dettinger Milchbauern teilweise bis zu 10 000 Liter Milch pro Tag an. «Diese Entwicklung kann man nicht aufhalten», verweist Maier auf das Höfesterben, das auch vor Dettingen nicht haltmachte.

Derzeit seien es noch vier Dettinger Bauern, die täglich rund 2000 Liter Milch anliefern. Im Wesentlichen werden daraus 15 Sorten Schnittkäse, Milch, Quark und Sahne hergestellt.

Rund drei bis vier Tonnen runder Käselaibe lagern und reifen in der Molkerei, bevor der Dettinger Käse in den Verkauf geht. Die maximale Kapazität ist auf sechs Tonnen Käse ausgelegt. Ein großer Teil der Milchprodukte wird über den eigenen Käseladen «Milchkanne» abverkauft. Zwei Vollzeit- und sieben Teilzeitarbeitskräfte sind im Einsatz, um die Käserei und den Laden am Laufen zu halten.

«Mit jeder Molkerei sterben Käsesorten, die dann eben nicht mehr hergestellt werden», erläutert Maier, der unter anderem den Bauernkäse, Knoblauchkäse und Rahm-Tilsiter als Dettinger Käsespezialitäten hervorhebt. Besonders schade findet der Molkereifachmann, dass auch der Dorfkern unter der Schließung der Molkerei leidet: «Mit der Bäckerei, der Metzgerei, unserer Poststelle und einer Gaststätte in unmittelbarer Nähe ist das hier ein zentraler Mittelpunkt im Ort, der nun ein wichtiges Standbein verliert». Zumindest der Käseladen soll, sofern genügend Kundenzulauf vorhanden ist, nach Aussage des Geschäftsführers erhalten bleiben.

Arbeitsplätze in Bad Wörishofen

Den zwei Vollzeitarbeitskräften werden Arbeitsplätze im nahegelegenen Betrieb in Bad Wörishofen angeboten. «Der Käse hier ist richtig lecker und man kann die Qualität der Milchprodukte quasi vom Landwirt bis in den Käseladen hinein nachvollziehen», erklärt Kundin Renate Ulmschneider während ihres Einkaufs. Besonders als Mitbringsel seien die Dettinger Käsespezialitäten bei weiter entfernt wohnenden Freunden und Bekannten heiß begehrt und beliebt.

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