Handwerk
Modistin Marita Prestel (48) aus Kempten findet: Der Hut ist das schönste Accessoire

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Herzogin Kate trägt ihn. Udo Lindenberg hat sein eigenes Modell. Und Donald Duck hat sich seinen bei Popeye abgeschaut. Die Rede ist vom Hut. Und die Rede ist von der Faszination und der Liebe zum Hut, die Modistin Marita Prestel aus Kempten von 2012 bis 2014 das Amt der Deutschen Hutkönigin beschert hat.

Das ist doch ein alter Hut

Hutkönigin Marita Prestel steht auf dem goldenen Schild, das an einem Einfamilienhaus auf der Kemptener Ludwigshöhe hängt. Ein Pfeil deutet nach unten. Vier kurze Stufen führen hinunter, die Tür ist offen. Im Eingangsraum steht ein großes Plakat mit Prestels Gesicht. Der Eingangsbereich wird gerade neu gemacht, wir sind mitten am Umbauen, entschuldigt sie sich.

Geradeaus hängen ein Spiegel und Hüte aller Art und Form an der Wand. Momentan ist mein Lieblingshut ein Trachtenhut. Abgeleitet von der traditionellen Art des Sechser-Huts. Den tragen normalerweise die Männer im Allgäu, aber ich habe für mich eine extra Holzform entwickeln lassen, lacht sie. Der Hut heißt so, weil er oben in Form einer "6" eingedrückt ist.

Marita Prestel biegt rechts ab in ihre Werkstatt. Holzformen, Nähmaschine, Garnituren und Bügeleisen erwarten einen – das Grundwerkzeug der Modistin.

Ehe sie sich’s versieht, war sie unter der Haube

Ein Jahr. So lange musste sich Marita Prestel nach der Schulzeit gedulden, bis sie die Lehrstelle als Modistin in Heilbronn antreten konnte. Sie beendete ihre Lehre erfolgreich, sehnte sich in die weite Welt. Nach England, wo Lady Di zeitgleich die tollsten Hüte mit einer Selbstverständlichkeit trägt und Ascot jedes Jahr die verrücktesten, ausgefallensten und teuersten Hüte zur Schau stellt. Die Tradition des Hutes wird nach langer Zeit wieder einem großen Publikum zugänglich gemacht.

Sie bekommt eine der begehrten Stellen beim Hofhutmacher der Queen, Frederick Fox angeboten, sagt sie jedoch ab. "Wie das Leben so spielt, habe ich in diesem Sommer meinen Mann kennengelernt. Ihn habe ich meiner Karriere vorgezogen und habe es nie bereut.

Fast 20 Jahre arbeitet Marita Prestel im Hutsalon am Dom in Augsburg. Bevor es sie nach Kempten zieht und sie beschließt, sich selbstständig zu machen. 2012 wurde ich in Lindenberg zur deutschen Hutkönigin gewählt. Das war unter anderem ausschlaggebend für meinen Mut zur Selbstständigkeit.

"Hut ab!" - Lindenberg und seine Hüte

Lindenberg im Allgäu hat eine jahrhundertelange Hut-Tradition. Die Firma Mayser macht seit ca. 1800 Hüte. Sie ist auch die einzige Firma, die im "Klein-Paris" der Hutmode von damals überlebt hat. Die Wirtschaftswunderjahre ab 1950 bereiten der Firma Mayser große Erfolge: Man trägt wieder einen Hut.

Das 2014 neu eröffnete Hutmuseum kann nun endlich Lindenbergs Geschichte dementsprechend erzählen. Und obwohl in Lindenberg nicht jeder Hut trägt, sind doch viele stolz auf Ihre Geschichte, denn: In Lindenberg lässt sich Udo Lindenberg sein Markenzeichen, den Mayser Udo, fertigen.

Nass und Heiß ist dem Filz sei Speiß

Dampf, Druck, Wärme. So einfach ist das eigentlich. Diese drei Grundvoraussetzungen müssen gegeben sein, um einen Hut zu fertigen. Die Holzformen, auf die die Hüte gespannt werden, bekommt Marita Prestel von einem Holzformenbauer. Ihr persönlicher Modell-Schreiner.

Sie nimmt das Rohmaterial, den sogenannten Stumpen, und lässt ihn sich mit Wasserdampf vollsaugen. Anschließend spannt sie ihn über eine Holzform. Wichtig ist, dass man zunächst den Kopf festsetzt. Das bedeutet, dass ein Umspannband bzw. eine Spirale am Kopfsitz des Hutes festgezogen wird. Das ist am Ende ausschlaggebend für den Sitz des Hutes. Macht sie hier einen Fehler, sitzt der ganze Hut schief.

Mit Dämpflappen, Bügeleisen und Wasserdampf bearbeitet sie den Filzhut, bis sie zufrieden ist. Nachdem er aus dem Trockenofen kommt, kann Marita Prestel mit der eigentlichen Arbeit der Modistin anfangen. Sie näht das Sitzband ein, verarbeitet den Rand und zum Schluss kommt das - zumindest beim Damenhut - wichtigste am Hut: Die Garnitur.

Das schönste Accessoire

Es gibt die verschiedensten Anlässe, einen Hut zu tragen. Der Hut kann Symbolfunktion sein. Früher ging man ohne Hut gar nicht aus dem Haus. Heute wirkt es eher individuell, wenn man einen trägt. Im Sommer schützt er vor der Sonne. Im Herbst oder Winter vor Kälte, Wind und Regen. "Ich mache gerne Hüte für Hochzeiten oder Familienfeste. "Die leichten, meistens asymmetrischen Headpieces oder Faszinator wirken fast schon wie ein Schmuckstück", schwärmt sie.

Profi-Pflegetipp für daheim: Den Hut unter Wasserdampf aufdämpfen. Wasser kann man im Topf erhitzen, wenn kein Dampfreiniger zur Hand ist. Anschließend mit einer Bürste den Fleck vorsichtig ausbürsten.

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